Die Auswertung ergab, dass die Patienten auf die Bilder selbst nicht anders reagierten als gesunde Vergleichspersonen. Allerdings unterschieden sich die beiden Gruppen bei der Reaktion auf den ankündigenden Signalreiz deutlich: Die Angstpatienten zeigten sowohl bei den Minuszeichen als auch bei den Kreisen eine deutlich stärkere Reaktion der Amygdala ? einer Region, die mit Angst und negativen Gefühlen zu tun hat. “Das Ergebnis zeigt, dass die Patienten auf die Vorstellung, dass in Zukunft etwas Negatives passieren wird, übermäßig stark mit Angst reagieren”, erklärt Nitschke.
Gleichzeitig sagte die Reaktion einer anderen Gehirnregion den Erfolg einer Behandlung mit dem Antidepressivum Venlafaxin voraus: Patienten, die in Erwartung der Bilder eine besonders starke Aktivität einer Anteriorer Cingulum genannten Hirnregion gezeigt hatten, sprachen im Lauf einer achtwöchigen Behandlung besser auf das Medikament an. Das Anteriore Cingulum spielt bei der Regulierung von Gefühlen wie Angst eine wichtige Rolle. “Die Ergebnisse legen nahe, dass Patienten, bei denen noch Reste dieser regulierenden Funktion vorhanden sind, von der Behandlung mehr profitieren”, sagt Nitschke.
Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass die Aktivität im Anterioren Cingulum auch bei Patienten mit Depressionen den Behandlungserfolg vorhersagen kann. Daher wollen Nitschke und sein Team als nächstes Patienten mit Angststörungen untersuchen, die gleichzeitig an einer Depression erkrankt sind. “Gehirnscans zur Vorhersage des Behandlungserfolgs zu verwenden, ist eine wichtige neue Forschungsrichtung”, sagt Nitschke. “Wir hoffen, dass wir damit in Zukunft die am besten geeignete Behandlung für Patienten finden werden.”





