Amerikanische Forscher entschlüsseln die Chemie der Vorfreude Drogenabhängiger. Mithilfe neuartiger Fühler haben sie im Glückszentrum des Gehirns abhängiger Ratten beobachtet, was passiert, wenn die Tiere eine neue Gabe an Kokain erwarten. Die Studienergebnisse schildern die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift “Nature” (Bd. 422, S. 614).
Die Fühler versenkten die Psychologin Regina Carelli von der Universität in Chapel Hill und ihre Kollegen im so genannten Nucleus accumbens des Gehirns der Tiere. Diese Region gibt es auch beim Menschen. Sie sorgt zum Beispiel für Freude an einem guten Essen, einem spannenden Film oder beim Sex. Die Nervenzellen der Region schütten dabei den Botenstoff Dopamin aus. Auch nach einer Gabe Kokain geben die Nervenzellen diesen Botenstoff frei.
Carelli und ihre Kollegen wollten nun wissen, was in diesem Hirnteil geschieht, kurz bevor die Droge verabreicht wird. Sie brachten ihren Tieren daher bei, dass bestimmte Signale eine Kokaingabe ankündigen. Die Messungen ergaben später, dass die Dopaminkonzentration im Glückszentrum schon allein durch diese Signale anstieg. Offenbar lösten die Hinweise bei dem Tier bereits Vorfreude auf die Droge aus.
Die Studienergebnisse erklären vielleicht auch, warum es nach einem Entzug auch bei lange enthaltsamen Menschen zu Rückfällen kommen kann, schreiben die Forscher. Eindrücke des Drogenmilieus könnten demnach bei einem ehemals Abhängigen einen Dopaminschub auslösen, der die Vorfreude auf eine neue Drogengabe ansteigen lässt und so den Betroffenen erneut zur Nadel treibt.
ddp/bdw ? Andreas Wawrzinek