Mehr Schulverweise, häufiger gewalttätig in der Familie, eher Förderunterricht ? die Kinder mit einer frühen Meningitis bräuchten dringend Unterstützung
Eine britische Studie bestätigt Befürchtungen von Wissenschaftlern, dass eine Meningitiserkrankung im Säuglings- oder Kleinkindalter neben den bekannten Komplikationen wie Taubheit, Blindheit oder cerebralen Lähmungen auch psychische Störungen nach sich ziehen kann. David Harvey vom Hammersmith Hospital in London befragte über 500 Familien mit Kindern aus England und Wales, die zwischen 1985 und 1987 während ihres ersten Lebensjahres eine Hirnhautentzündung überlebt hatten. Er stellte fest, dass die betroffenen Kinder etwa acht mal häufiger Verhaltens- und Lernprobleme aufwiesen.
Für seine Studie befragte er mehr als 1000 Familien und verglich die Aussagen mit den Daten einer gleichgroßen Gruppe von Jugendlichen, die keine Hirnhautentzündung durchlitten hatten. In der Meningitisgruppe gab es doppelt so viele Verhaltensauffälligkeiten, einen sechs Prozent größeren Bedarf an Förderunterricht und eine acht mal höhere Zahl an Schulverweisen als in der Vergleichsgruppe. Außerdem berichteten die Familien von Kindern, die an Meningitis erkrankt gewesen waren, drei Mal häufiger über gewalttätiges Verhalten ihrer Kinder zu Hause.
Für Harvey ist dieses Ergebnis ein klarer Beweis, dass die betroffenen Kinder eine intensive Nachsorge über mehrere Jahre brauchen. “Es ist wichtig, dass wir die Probleme rechtzeitig erkennen und den Kindern eine angemessene Unterstützung bieten, wenn sie in die Schule kommen. So können wir zukünftigen Verhaltensstörungen am besten entgegenwirken”, schließt Harvey.
Meningitis ist eine lebensgefährliche und hochinfektiöse Entzündung der Gehirn- und Rückenmarkshäute, die ganzjährig auftreten kann, aber besonders häufig in den Monaten zwischen September und März vorkommt. Sie tritt vor allem bei Kindern und Jugendlichen auf. (BBC)
Marion Herzog





