Der Sitz des räumlichen Bewusstseins im Gehirn ist wahrscheinlich nicht, wie bisher angenommen wurde, im rechten unteren Scheitellappen des Gehirns. Laut Hans-Otto Karnath und seiner Mitarbeiter von der Universität Tübingen liegt der Ort des räumlichen Bewusstseins beim Menschen im obere Bereich des rechten Schläfenlappens des Gehirns – genau wie beim Affen. Die Wissenschaftler berichten diese Woche über ihre Entdeckung im Fachmagazin Nature.
Die Forscher studierten Patienten die einen Schlaganfall der rechten Gehirnhälfte erlitten und dadurch die Fähigkeit, die linke Hälfte des Raumes und ihres Körpers wahrzunehmen, verloren hatten. Diese Unfähigkeit wird Neglect (Vernachlässigung) genannt. Bei den untersuchten Patienten bisheriger Studien sind die visuellen, kognitiven und räumlichen Defekte eher zusammen aufgetreten, als dass der alleinige Verlust der Wahrnehmung der linken Hälfte des Raumes zu beobachten war. Karnath stellte nun bei seinen ausschließlich unter Neglect leidenden Patienten fest, dass sie alle durch einen Schlaganfall im vorderen oberen Bereich des rechten Schläfenlappens verletzt worden waren. Sie benahmen sich so, als habe ein Teil des sie umgebenden Raumes aufgehört zu existieren,
Nicole Waschke





