Eine fehlerhafte Stressverarbeitung des Gehirns könnte bei manchen Menschen Ursache für Alkoholismus sein, vermuten US-Forscher von der University of Cincinnati. Sie haben beobachtet, dass Alkoholiker auf Stresssituationen mit einer stärkeren Ausschüttung des Stresshormons Cortisol reagieren als andere Menschen. Alkoholiker versuchten dies offenbar mit Alkohol zu kompensieren, heißt es in der Mai-Ausgabe der Zeitschrift Alcoholism: Clinical & Experimental Research.
Robert M. Anthenelli hatte in einer Studie mit abstinenten Alkoholikern medikamentös Stress erzeugt. “Unsere wichtigste Erkenntnis war, dass Alkoholiker, die seit durchschnittlich vier Monaten abstinent waren, mit einem doppelt so starken Cortisol-Anstieg reagierten wie Nicht-Alkoholiker”, sagte der Hirnforscher. Dies sei überraschend, denn in anderen Studien sei nach kürzerer Abstinenz eine gedämpfte oder ähnliche Stressreaktion gemessen worden, so Anthenelli. Außerdem sank nach dem Stress der Cortisol-Spiegel bei den Alkoholikern nicht wieder so schnell ab wie bei Gesunden.
Die Wissenschaftler vermuten, dass diese verlängerte Cortisol-Reaktion schon zu messen ist, bevor Menschen überhaupt anfangen, übermäßig zu trinken. So hätten andere Untersuchungen bereits ergeben, dass Jungen, die aus Familien mit Alkoholikern kamen, bereits vor der Pubertät auf Stress mit einer hypersensitiven Cortisol-Ausschüttung reagierten. Damit hätte man einen biochemischen Marker in der Hand, mit dem man Menschen identifizieren könne, die besonders Alkoholismus-gefährdet sind, so Anthenelli.
Dr. Thomas Meißner





