Ein möglicher Grund könnte sein, dass das Gehirn Prioritäten setzt: Beispielsweise ist es für den Säugling äußerst wichtig, einen voll entwickelten Sehsinn zu besitzen. So kann er seine Eltern erkennen und die Umwelt erkunden. Andere, zunächst nicht benötigte Fähigkeiten werden daher erst später ausgebildet. Auf der anderen Seite könnten aber auch Platzprobleme eine Rolle spielen. Um bei der Geburt das Becken der Mutter passieren zu können, darf das Gehirn nicht zu groß sein. Um Platz zu sparen, werden einige Gehirnregionen erst später ausgebildet, spekulieren die Wissenschaftler.
Die Evolution des menschlichen Gehirns läuft bei der Entwicklung des Kindes im Zeitraffer ab. Darauf deutet eine Untersuchung US-amerikanischer Forscher hin, die nachweisen konnten, dass bestimmte Hirnregionen bei Kindern stärker wachsen als andere. Eben diese Areale hatten sich auch im Lauf der Evolution vergrößert, als sich der Mensch immer weiter vom Affen entfernte, erklären die Wissenschaftler. Die betreffenden Hirnregionen sind für komplexe Denkleistungen zuständig.
Jason Hill und seine Kollegen untersuchten Gehirnscans von zwölf Säuglingen und verglichen diese mit der Gehirnstruktur von zwölf jungen Erwachsenen. Im Verlauf der Entwicklung vom Baby zum erwachsenen Menschen wachsen Teile der Großhirnrinde im Vergleich zu anderen Gehirnarealen mehr als doppelt so stark an, ergab die Auswertung. Die Großhirnrinde ist der Teil des Gehirns, der für höhere geistige Funktionen zuständig ist: Bewusste Vorgänge, kognitive Prozesse, geplantes Handeln und Sprache werden von dieser Schicht des Gehirns verarbeitet, die das Großhirn ummantelt. Die Wissenschaftler sind sich noch im Unklaren, aus welchem Grund manche Regionen beim Menschen schneller wachsen als andere.
Jason Hill (Washington-Universität, St. Louis) et al.: PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, doi/10.1073/pnas.1001229107 ddp/wissenschaft.de ? Gwydion Brennan





