Nichts dran ist übrigens an der Geschichte, dass die Inuit ungewöhnlich viele Worte für Schnee haben. Im Grunde haben sie nicht mehr als zum Beispiel wir. Ganz davon abgesehen, dass es die Inuit-Sprache gar nicht gibt. Es ist eine ganze Sprachfamilie. Der Irrtum beruht vielmehr darauf, dass der übereifrige Ethnologe Franz Boas damit beweisen wollte, dass die Umgebung auf die Sprache abfärbt. Und das bedeutet: Eskimos, oder besser Inuit, leben in Schnee und Eis, also müssen sie auch mehr Worte dafür haben. Stimmt aber nicht. Boas hat zusammengesetzte Worte als jeweils alleinstehende Worte angeführt. Genauso gut könnte man Pulverschnee, Neuschnee und Mistschnee als jeweils neue Worte für das weiße Zeug definieren.
Meine Bahn ist immer noch nicht da. Aber ich habe einen Zaunkönig gesehen. Der kleine Kerl wird auch Schneekönig genannt, weil er selbst im tiefsten Winterwetter stets agil ist und nicht in den Süden geflüchtet ist wie so viele seiner Stammesgenossen. Daher kommt auch das Sprichwort „sich freuen wie ein Schneekönig”. Der Vogel lässt sich seine gute Stimmung eben nicht vermiesen. Das allen zum Trost, die auch auf ihre Bahn warten oder morgens den Schnee wegschaufeln müssen.
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