“Es ging ziemlich hektisch zu damals. Ich hielt oft verschiedene politische Reden pro Tag an unterschiedlichen Orten, wurde verhaftet, ging zu Treffen über gewaltfreien Widerstand und andere Themen, unterrichtete meine Studenten, spielte mit meinen Kindern und so weiter. Rückblickend kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, wie all das möglich war. Hätte ich es nicht getan, es wäre hoffnungslos unmoralisch gewesen.” Später ging es um Chile, um den Nahen Osten, den Irak. Um den 11. September. Um Bush und nochmals Bush. Und immer und immer um den Profit, der die Welt bewegt, “money makes the world go round”. Vielfach hat er zum Ausdruck gebracht, dass es, egal ob Kennedy oder Clinton, ob Bush, Obama oder McCain Präsident ist, höchstens kleine, graduelle Unterschiede gibt. Denn in Wahrheit hätten die USA ein Einparteiensystem: das der Wirtschaftspartei. Jeder Präsident unterliege dem Gesetz des “big business”. Und dieses Gesetz fordere Konsum auf Teufel komm raus. Und damit die Menschen immerzu genug konsumieren, braucht es Werbung, er nennt es Propaganda (auch so ein Lieblingsthema von ihm).
Am 7. Dezember wird der “vermutlich bedeutendste lebende Intellektuelle” und auch noch der “meist zitierte lebende Intellektuelle” (New York Times) 80 Jahre alt. Wir wollten ihm gratulieren und haben ihn angerufen. Lesen Sie auf Seite 50, was er in diesem Gespräch zur Finanzkrise zu sagen hatte. Diese konnte einen Mann, der Bücher mit Titeln wie “Profit over People” verfasste, nicht überraschen.
Jetzt klappe ich meinen Laptop zu, steige auf mein Leiterchen und stelle die beiden Werke wieder an ihren Platz. Ganz oben, ziemlich weit weg von meinem realen Leben, in dem ich lieber lese, was Mister Chomsky der Welt heute zu sagen hat. Doch in meinem Herzen dürfen die staubigen Taschenbücher
weiterhin ein Plätzchen behalten.
Ihre
Ilona Jerger, Chefredakteurin





