Denn: An Personen lässt sich für die Öffentlichkeit viel besser nachzeichnen, welchen Weg eine Wissenschaft im Laufe der Jahre gegangen ist. Besser als an den abstrakten Ideen, die dabei vertreten und verworfen wurden. Beim New Yorker Fest für Francis Crick konnten die Teilnehmer von Zeitzeugen erfahren, wie Crick die Molekularbiologie seiner Zeit vorantrieb und was ihn selbst antrieb.
Frei erfunden
Crick war knapp 30 Jahre alt, als der Zweite Weltkrieg zu Ende ging, in dessen Verlauf er weniger mit dem Leben und mehr mit dem Töten zu tun hatte: Er konstruierte erfolgreich Minensucher und anderes Militärgerät. 1946 bot man ihm eine Lebenszeitstelle in der britischen Armee an. Doch Francis wollte etwas anderes unternehmen, nämlich den riskanten Versuch, die elementaren Fähigkeiten des Lebens zu erklären. Als er 1953 zusammen mit James Watson die Doppelhelix als Modell für die Erbsubstanz DNA vorschlug, war dies für eine zentrale Eigenschaft des Lebens – die Teilung in zwei – gelungen.
Bei der Tagung in Cold Spring Harbor enthüllte der 88-jährige James Watson, der 1953 zusammen mit Crick die Doppelhelix als Modell der Gene aus der Taufe hob, ein bislang gut gehütetes Geheimnis. In seinem 1968 erschienenen autobiografischen Bericht über “Die Doppelhelix” legte er Crick folgende Worte in den Mund: “Wir haben das Geheimnis des Lebens gelüftet.” Die Aussage sei frei erfunden, so Watson. Crick habe das Zitat zwar moniert, aber später stehen gelassen.
Eher mäßig
Der Brite spielte in den 1960er-Jahren die führende Rolle in der Entwicklung der Molekularbiologie, bevor er sich dann ab den 1980er-Jahren bis zu seinem Tod 2004 dem wahrhaft geheimnisvollen Organ des Menschen, dem Gehirn, zuwandte. Unter den Lebenswissenschaftlern ist die Verehrung von Crick so groß, dass man einfach nicht damit rechnet, dass seinem Gehirn etwas entspringen könnte, das wissenschaftlich daneben liegt. Doch die “erstaunliche Hypothese”, die Crick in seinem Buch über das Gehirn aufstellt – sämtliche Leistungen ließen sich durch molekulare Wechselwirkungen erklären –, wertete die Fachwelt als wenig hilfreich und eher mäßig erfolgreich.
Er war nicht der einzige und erste, der sich auch einmal irrte. Zum Vergleich: Hermann von Helmholtz vertrat im 19. Jahrhundert die Meinung, dass sich alles materielle und lebendige Geschehen auf das Zusammenstoßen von Atomen zurückführen lasse, wobei Helmholtz in diesen Elementargebilden kleine Kügelchen vermutete. Dieser Gedanke löste sich auf, als zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Quantenphysik kam und eine andere Realität der Atome vorführte.





