Überfischung, Lebensraumzerstörung und Klimawandel: Die Machenschaften des Menschen führen bekanntlich zu teils großen Verlusten bei vielen Meerestierarten. Besonders stark betroffen sind dabei die Räuber der Ozeane: Die weltweiten Haipopulationen sind drastisch eingebrochen und einige Arten sind vom Aussterben bedroht. Dieser Schaden bleibt dabei nicht nur auf die Raubfische selbst beschränkt: Vor allem in Korallenriffen spielen sie eine wichtige ökologische Rolle – ihr Verlust kann die Lebensgemeinschaften somit in kritischer Weise aus dem Gleichgewichtig bringen. Um gegenzusteuern, sind Informationen über den genauen Einfluss des Menschen wichtig. „Wir benötigen dazu Einblicke, wie eine gesunde Hai-Gemeinschaft in Korallenriffen vor der menschlichen Ausbeutung ausgesehen hat”, sagt Erin Dillon von der University of California in Santa Barbara.
Winzige Spuren in Sedimenten
Sie und ihre Kollegen haben nun ausgelotet, inwieweit sich die Untersuchung von Hai-Hautzähnchen (Dentikel) in Sedimenten für die Gewinnung von Daten zur Entwicklung der Größe und Vielfalt bei den Haibeständen in Korallenriffen eignet. Es handelt sich dabei um die winzigen Schuppen, die den Körper dieser Fische bedecken. Sie verringern den Widerstand beim Schwimmen und schützen die Tiere vor Schäden. „Die Dentikel sind der Grund dafür, dass sich die Haihaut beim Darüberstreichen in einer Richtung glatt, in der anderen aber rau wie Sandpapier anfühlt. Haie sind von Millionen dieser winzigen Zähnchen bedeckt”, erklärt Dillon. Im Laufe ihres Lebens werfen die Fische durch Regenerationsprozesse ihre Dentikel ständig ab, wodurch sie sich in Sedimenten ansammeln. Durch unterschiedliche Merkmale lassen sie sich dabei auch verschiedenen Vertretern der Haie zuordnen.
Im Rahmen ihrer Studie haben die Wissenschaftler die Häufigkeit und Zusammensetzung von fossilen Hai-Dentikeln aus Meeressedimenten eines etwa 7000 Jahre alten Korallenriffs an der Küste Panamas untersucht. Das Alter der Schichten wurde dabei mittels der sogenannten Uran-Thorium-Datierung bestimmt. Die Ergebnisse wurden anschließen mit Befunden von Hai-Dentikeln in modernen Ablagerungen verglichen. Die Forscher erfassten auch Informationen über die Besiedlungsgeschichte sowie Fischereipraktiken in der Region, um die gewonnen Daten in einen Zusammenhang mit dem Einfluss des Menschen stellen zu können.
Rückgang um über 70 Prozent
Dabei zeichnete sich grundlegend ab: Die Häufigkeit der Dentikel und damit die Populationsdichte bei den Haien war mehr als dreimal so hoch, bevor der Mensch begann, die Meeresressourcen in der Region zu nutzen. Es zeigte sich, dass die Häufigkeiten aller Dentikel-Typen im Laufe der Zeit abnahmen, aber diejenigen, die von kommerziell gefischten Arten stammen, gingen am stärksten zurück. Der größte Schwund war dabei bei den schnell schwimmenden Arten – den sogenannten pelagischen Haien wie Hammerhaien und Requiemhaien zu verzeichnen. Der weitaus steilste Rückgang der Vorkommen setzte dabei im späten 20. Jahrhundert ein. Wie die Forscher erklären, zeichnet sich die verstärkte Bejagung an der Küste Panamas ab, die selektiv auf pelagische Haie abzielte. Doch der Rückgang bei den Ammenhaien, die nur selten gefangen wurden, deutet darauf hin, dass auch indirekte Faktoren wie Beeinträchtigungen des Lebensraums oder der Verlust von Beutetieren eine wichtige Beeinträchtigung darstellen.





