Hoffnung auf neue Therapie
Wissenschaftler der University of Glasgow haben erfolgreich Herpesviren zur Behandlung des malignen Melanoms, der gefährlichsten Form von Hautkrebs, eingesetzt. “Wir konnten zeigen, dass die Viren Krebszellen töten, wenn wir sie in direkten Kontakt mit ihnen bringen”, sagt Rona MacKie. Die Leiterin der Forschungsgruppe weist aber darauf hin, dass sich die Arbeiten noch in einem sehr frühen Stadium befinden und eine allgemein zur Verfügung stehende Therapie erst in einigen Jahren zu erwarten ist.
Ausgangspunkt für die in der Zeitschrift ” The Lancet” veröffentlichten Forschungsarbeiten war die Beobachtung, dass Tiere mit bösartigen Melanomen nach einer Infektion mit einer mutierten Form des Herpes simplex-Virus länger überlebten. Außerdem wusste man, dass sich die Viren in Krebszellen schneller vermehrten als in normalen menschlichen Zellen.
Im Rahmen der Studie, an der fünf Patienten mit Hautkrebs in fortgeschrittenem Stadium teilnahmen, wurden genetisch umfunktionierte Viren direkt in Tumore gespritzt. Zwei Testpersonen verabreichte man nach 14 Tagen die gleiche Dosis noch einmal, ein Patient erhielt insgesamt die vierfache Dosis. Ein bis zwei Wochen danach wurden die behandelten Melanome herausgeschnitten und mikroskopisch untersucht. Die Patienten, die mehr als eine einmalige Injektion erhalten hatten, zeigten das erhoffte Ergebnis: “Wir konnten nachweisen, dass Melanomzellen abgetötet wurden und die Virusbehandlung keine schädigende Nebenwirkungen hatte”, sagt MacKie. Am deutlichsten war der positive Effekt bei der Testperson, die mit der vierfachen Dosis behandelt worden war.
Als Nächstes soll überprüft werden, ob eine weitere Erhöhung der Virusdosis sinnvoll und ohne Gefahr für die Patienten möglich ist. Außerdem bleibt zu klären, ob auch größere Melanome durch diese Methode behandelt werden können.
Herpes simplex-Viren sind weit verbreitete Erreger von meist harmlos verlaufenden Infektionen im Bereich der Lippen (Herpesbläschen) oder Genitalien. Das bösartige Melanom, auch “schwarzer Krebs” genannt, führt schnell zur Bildung von Tochtergeschwülsten (Metastasen) in anderen Organen und ist daher verantwortlich für 85 Prozent der Todesfälle bei Hautkrebs. Die zurzeit einzige Therapie besteht in der chirurgischen Tumorentfernung im Frühstadium.
Joachim Czichos





