Schon länger suchen Mediziner daher nach Wegen, die natürliche Immunreaktion von Krebspatienten so anzuregen, dass beispielsweise T-Killerzellen die Tumore besser erkennen und deren Hemmwirkung überwinden. Typischerweise versucht man dabei, ähnlich wie bei einer Schutzimpfung, die Immunabwehr durch den gezielten Kontakt mit tumorspezifischen Proteinen oder Peptiden sozusagen aufzustacheln. So, wie sich die Abwehr die biochemische Signatur eines Krankheitserregers merkt und bei jeder weiteren Infektion gezielt Killerzellen und Antikörper gegen ihn produziert, soll eine Immuntherapie auch gezielte Angriffe auf Krebstumore bewirken. Bisher jedoch hielten sich die Erfolge in Grenzen – auch weil es extrem schwierig ist, die Merkmale der Krebszellen zu identifizieren, die sich als “Rotes Tuch” für die Krebsimpfung eignen.
Impfcocktail gegen das Melanom
Jetzt haben gleich zwei Forschergruppen vielversprechende Fortschritte bei einer Immuntherapie gegen den Schwarzen Hautkrebs erzielt. Beiden gelang es in klinischen Studien der Phase I, bei Patienten mit Melanom in fortgeschrittenen Stadium die Wiederkehr des Krebses zu verhindern. Patrick Ott vom Dana-Farber Institute in Boston und seine Kollegen führten ihre Studie mit sechs Krebspatienten durch, deren Melanome kurz zuvor chirurgisch entfernt worden waren. Weil sie aber unter einem fortgeschrittenen Stadium des Hautkrebses litten, war ihr Risiko für weitere Tumore sehr hoch. Um geeignete Angriffsziele auszumachen, analysierten die Forscher zunächst die DNA entnommener Tumorzellen und verglichen sie mit der gesunder Körperzellen des jeweiligen Patienten. Auf Basis der Ergebnisse wählten sie 20 Peptide aus, die nur auf der Oberfläche der entarteten Zellen zu finden waren und die voraussichtlich die stärkste Immunantwort hervorrufen würden. Diesen für jeden Patienten spezifischen Impfcocktail verabreichten sie dann ihren Probanden mehrere Male jeweils im Abstand von einigen Tagen.
Ugur Sahin von der Universität Mainz und seine Kollegen gingen im Prinzip ähnlich vor. Ihr Impfcocktail bestand jedoch nicht aus Peptiden, sondern aus synthetisch hergestellter und maßgeschneiderter RNA. Diese enthielt die Bauanleitungen für bis zu zehn mutierte Zielpeptide der Tumorzellen. Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass auch solche RNA-Schnipsel das Immunsystem gezielt auf Erregermerkmale aufmerksam machen können. 13 Patienten mit fortgeschrittenem Hautkrebs erhielten diesen RNA-Cocktail mindestens achtmal im Verlauf von gut 40 Tagen. Bei beiden Studien analysierten die Forscher die Immunreaktion der Patienten im Verlauf der folgenden 23 bis 32 Monate. Zusätzlich wurde regelmäßig kontrolliert, ob sich neue Melanome oder Metastasen entwickelten.





