Der aufgewirbelte Sand war so instabil, weil die Packungsdichte der Sandkörner nur etwa 41 Prozent im Gegensatz zu 55 bis 60 Prozent bei nicht-behandelten Sand betrug, schreiben Lohse und seine Kollegen. Dadurch können sich die internen Kräfte nicht richtig ausprägen, die Sand unter normalen Bedingungen tragfähig machen. Die unerwartete Entdeckung dieses trockenen Treibsands lässt nach Ansicht der Wissenschaftler Berichte, wonach Reisende und ganze Wagen komplett im Sand versunken sein sollen, in einem ganz anderen Licht erscheinen. Der durch die Aufwirbelung entstandene Treibsand sollte jedoch nicht mit normalem Treibsand verwechselt werden, der aus einer Mischung von Sand, Wasser und Lehm bestehe.
Wüstensand könnte nach einem Sturm zu einer Art trockenem Treibsand und damit einer Falle für Mensch und Tier werden. Darauf deutet zumindest eine Laboruntersuchung niederländischer Forscher hin: Wenn feine Sandkörnchen durch Luftströmungen aufgewirbelt werden, bilden sie nach dem Absetzen einen so lockeren Verbund, dass sie praktisch kein Gewicht mehr tragen können. Darauf abgelegte Objekte versinken vollständig darin, berichten Detlef Lohse und seine Kollegen von der Universität Twente in Enschede in der Fachzeitschrift Nature (Bd. 432, 9. Dezember, S. 689).
Die Wissenschaftler wirbelten extrem feine Sandkörnchen mit einem Durchmesser von nur wenigen Hundertstel Millimetern mit einem Luftstrom durcheinander und warteten, bis sie sich am Boden eines Laborgefäßes abgesetzt hatten. Dann legten sie vorsichtig, um keine Verwirbelungen oder Erschütterungen zu erzeugen, einen Tischtennisball auf die Oberfläche und erlebten eine Überraschung: Der Ball versank innerhalb von Sekundenbruchteilen vollständig im Sand und erzeugte dabei einen dünnen, nach oben schießenden Sandstrahl, vergleichbar mit den Fontänen nach dem Eintauchen eines Gegenstandes ins Wasser. Ein Ball mit einem Durchmesser von zwei Zentimetern sank bis zu einer Tiefe von zehn Zentimetern ein, berichten die Forscher, wobei die genaue Einsinktiefe von seinem Gewicht abhing.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





