Eine Zeugung im Reagenzglas beeinflusst möglicherweise das spätere Verhalten des Nachwuchses. Amerikanische Forscher beobachteten bei Mäusen aus der Retorte ein eingeschränktes Ortsgedächtnis und geringere Ängstlichkeit. Über ihre Ergebnisse berichten die Forscher in der Fachzeitschrift PNAS (Online-Vorabveröffentlichung DOI/10.1073/pnas.0306846101).
Richard M. Schultz und seine Kollegen von der Pennsylvania-Universität in Philadelphia verglichen Mäuse, die als Embryo im Reagenzglas kultiviert worden waren, mit ihren natürlich empfangenen Geschwistern. Die sensorische und die motorische Entwicklung und das Körpergewicht unterschieden sich nicht. Im Verhalten der erwachsenen Tiere entdeckten die Forscher jedoch Unterschiede: So verbrachten die Retortenmäuse mehr Zeit in offenen und damit ungeschützten Räumen und waren etwas aktiver. Außerdem war ihre Fähigkeit eingeschränkt, eine räumliche Erinnerung über 21 Stunden zu behalten.
Die Kultivierung der Embryonen im Reagenzglas führe möglicherweise dazu, dass Gene, die für die Gehirnentwicklung eine wichtige Rolle spielen, nicht korrekt abgelesen werden. Frühere Studien hatten den Einfluss von Kulturbedingungen auf die so genannte Genexpression bei Mäusen bereits beschrieben. Möglicherweise führten diese Bedingungen zu Veränderungen im Hippocampus, einer Hirnregion, die für die emotionale Bewertung von Ereignissen und die Bildung neuer Gedächtnisinhalte notwendig ist. Dadurch könnten die beschriebenen Verhaltensänderungen hervorgerufen werden, vermuten die Forscher.
Die Erkenntnisse seien zwar nicht direkt auf menschliche Embryonen übertragbar, doch sei es wichtig, einen ähnlichen Effekt bei Retortenbabys auszuschließen, fassen die Wissenschaftler zusammen. Weitere Studien sollen nun klären, ob sich die Effekte mit besseren Kulturmedien und einer Verkürzung der Zeit außerhalb des Mutterleibs verringern lassen.
ddp/bdw – Karin Otzelberger





