Handystrahlung hat nicht den besten Ruf. Umso mehr überraschte die Meldung „Handystrahlen schützen vor Alzheimer!”, plakativ verbreitet von diversen Medien. Quelle war eine Studie an der University of South Florida, in der Gary Arendash und seine Kollegen gentechnisch veränderte Mäuse über mehrere Monate hinweg täglich zwei Stunden lang Mobilfunkstrahlung ausgesetzt hatten.
Die Tiere, die durch die Erbgutveränderung zur Ansammlung von Alzheimer-Plaques im Gehirn neigen, blieben überraschenderweise mit Bestrahlung wesentlich länger symptomfrei als ihre unbestrahlten Artgenossen. Mehr noch: Selbst wenn es bei ihnen deutliche Einschränkungen gegeben hatte, stellte die Behandlung einen Teil ihrer geistigen Leistungsfähigkeit wieder her.
„Interessant” findet das auch der Tübinger Alzheimerforscher Mathias Jucker – solange es um Mäuse geht. Was die Übertragbarkeit auf den Menschen betrifft, mahnt er zur Vorsicht, denn: Arendash und seine Kollegen geben keine Erklärung für den Effekt. „Sie machen bloß Vorschläge, die aber nicht durch Beobachtungen gestützt werden.”
So spekulieren die Forscher zwar, dass eine – tatsächlich gemessene – leichte Erwärmung der Mäusehirne die Nervenzellen auf Touren bringt, wodurch diese die Ablagerungen besser abbauen können. Nachweisen konnten sie das aber nicht. Und ohne konkreten Mechanismus ist es nicht möglich zu beurteilen, ob es den Effekt beim Menschen geben könnte, sagt Jucker. „Bei solchen Mäusen ist schon vieles gezeigt worden, ohne dass es übertragen werden konnte”, betont er. Das heißt natürlich nicht, dass die Mausmodelle schlecht sind, sondern nur, „dass Studien wie diese voreilig publiziert werden”.





