Figaro avanciert zum routinierten Werkzeugmacher
Der Werkzeuggebrauch allein war bereits überraschend, sagt das Team. Dass Figaro die Hilfsmittel sogar selber herstellte, belegt jedoch noch eine höhere Stufe der Verstandesleistung. “Wir konnten filmen, wie der Kakadu seinen kräftigen Schnabel geschickt einsetzte, um längliche Splitter aus einem Holzbalken zu beißen oder aus einem verzweigten Ast durch gezieltes Abbrechen Stöckchen zu bauen, um damit die Nuss zu holen”, berichtet Alice Auersperg. Das Erfolgserlebnis hatte sich offenbar tief verankert: Bei allen späteren Versuchen wusste der schlaue Vogel ohne zu zögern, was zu tun war. “Figaro baute sich immer wieder neue Werkzeuge und war jedes Mal erfolgreich”, berichtet die Kognitionsforscherin.
Lange Zeit war die Fähigkeit zum Werkzeugbau nur von unseren nächsten Verwandten, den Menschenaffen, bekannt. Der erste Nachweis dieser Verhaltensweise bei Vögeln stammt von neukaledonischen Krähen. Einer der Autoren der aktuellen Studie, Alex Kacelnik von der Universität Oxford, war an diesen Untersuchungen beteiligt. Die Forscher konnten damals dokumentieren, wie die Krähe ?Betty? einen Haken aus einem Stück Draht bog, um Futter aus einem Rohr zu angeln. Allerdings zeigen neukaledonische Krähen ähnliches Verhalten auch in der Wildnis. Sie nutzen dort Pflanzenteile zum Angeln von Maden aus Baumlöchern. Dennoch gilt Bettys Verhalten als ein bemerkenswertes Beispiel individueller Kreativität und Innovationsfähigkeit. “Es ist nach wie vor schwierig, kognitive Handlungen zu identifizieren. Figaro und seine Vorgängerin Betty helfen, Unklarheiten in der Evolution von Intelligenz zu entschlüsseln?, resümiert Kacelnik.





