Die Wissenschaftler sind sich einig: Der Hund stammt vom Wolf ab. Doch wann und wo die Trennung stattfand, ist unklar – auch wenn sich in den letzten Jahren die Hinweise gehäuft haben, dass Hunde und Menschen viel länger zusammenleben als gemeinhin angenommen.
Darauf deuten fossile Funde aus Grabstätten hin. 2009 analysierte die belgische Paläontologin Mietje Germonpré mit ihren Kollegen einen Tierschädel aus der Goyet-Höhle in Belgien und fand heraus, dass der Schädel wohl einem Hund gehörte und knapp 32 000 Jahre alt ist. 2013 präsentierte ein Forscherteam um die Chinesen Guo-dong Wang und Weiwei Zhai die Ergebnisse ihrer Analyse des Erbguts von Wölfen, einheimischen chinesischen Hunden und drei anderen Hunderassen. Demnach fand die Trennung der chinesischen Hunde von Wölfen wohl vor 32 000 Jahren statt, wahrscheinlich in Asien.
Wenige Monate später stellten Olaf Thalmann von der Universität Turku in Finnland und Kollegen im Fachmagazin „ Science” ihrerseits die Ergebnisse genetischer Untersuchungen von hundeartigen Fossilien vor, die sie mit der DNA von Wölfen und Hunden verglichen hatten. Ihre Befunde deuten nicht auf Asien, sondern auf Europa als Ursprungsort von Hunden hin, die wohl vor 18 000 bis 32 000 Jahren vom Wolf getrennte Wege gingen.
Thalmanns Untersuchungen zeigen allerdings auch, dass der Schädel von Goyet nicht einem direkten Vorfahren heutiger Hunde gehört, sondern wohl einem Vertreter einer ausgestorbenen Nebenlinie von Wölfen oder Hunden. Dies stützt die seit Langem gehegte Vermutung, dass Wölfe an mehreren Orten und zu unterschiedlichen Zeiten gezähmt wurden.





