Text: Susanne Donner
Auf 20 Tassen Kaffee bringt es Christian Haase jeden Tag. Obwohl er morgens mit Tee startet. Haase führt zusammen mit seiner Frau Birthe die Hamburger Kaffeerösterei Maya. Und natürlich muss er jede Charge an Bohnen, die er vormittags röstet, auch verkosten. Dieses „Cupping“ hat nichts mit dem gewöhnlichen Trinken eines Kaffees zu tun. Man zieht einen kleinen Schluck des frisch gebrühten, heißen Getränks durch die Zähne. Die Flüssigkeit vermischt sich mit Luft, sodass man die Aromen richtig schmecken kann. „Zu hören ist ein lautes schlürfendes Geräusch“, sagt Haase. „Auszubildende verschlucken sich beim ersten Mal immer.“
Als die Haases die Rösterei 1999 eröffneten, war von 400 kleinen Betrieben, die es nach dem Zweiten Weltkrieg in Hamburg gab, kaum eine Handvoll übrig. Ohne große Erwartungen fingen sie bescheiden an – mit einem Röster, der lediglich fünf Kilogramm fasste. Die Bohnen beziehen sie bis heute von einzelnen biologisch wirtschaftenden Bauern in Mexiko, Brasilien, Peru und Äthiopien, die sie jedes Jahr besuchen. Mal schauen sie den Arbeitern bei der Ernte über die Schulter, mal streifen sie durch Neupflanzungen. Der direkte Verkauf kann den Kaffeebauern höhere Erlöse einbringen. Und für Kundinnen und Kunden bekommen die Produzenten Namen und Gesichter.
Innerhalb weniger Jahre wurde die Mini-Rösterei der Haases zu klein. Heute werkeln in zwei Betrieben je eine 30-Kilogramm-Trommel und vor den Toren Hamburgs eine automatisch gesteuerte 60-Kilogramm-Anlage. „Momentan haben wir einen globalen Trend zu kleinen Röstereien und zu Kaffeespezialitäten“, sagt Hanna Neuschwander, Strategie- und Kommunikationsleiterin bei der Forschungsorganisation World Coffee Research mit Sitz in den USA. Haases Kaffeerösterei ist mittlerweile eine von mehr als 1000 Newcomern in Deutschland. Die Manufakturbetriebe verlangen deutlich höhere Preise, geben aber auch, so jedenfalls das Versprechen, höhere Beträge an die Landwirte ab.
Und das hören die Verbraucher gerne. Zumal Kaffee mit Abstand das liebste Getränk der Deutschen ist. Rund 166 Liter trinken sie durchschnittlich pro Jahr. Einst stand das Getränk allerdings in einer Reihe mit Alkohol und Zigaretten – ein Genussmittel, vor dem etwa die Deutsche Gesellschaft für Ernährung warnte. Es würde den Körper dehydrieren und Mineralstoffe entziehen. Heute hat sich die Haltung der Wissenschaftler gewandelt.
Freispruch für das Lieblingsgetränk
Das Entwässern ist als Irrglaube enttarnt, Kaffee darf inzwischen zur täglichen Flüssigkeitszufuhr hinzugezählt werden. Dem vorausgegangen waren Experimente etwa von der Ernährungswissenschaftlerin Sophie Killer aus Großbritannien. Sie stellte fest, dass sich die Urinmenge von gewohnheitsmäßigen Kaffeetrinkern nicht veränderte, wenn sie nur Wasser trinken. Das Getränk entziehe den Zellen keine Flüssigkeit, schrieb Killer 2014 im Fachjournal Plos One.





