Das Problem ist längst bekannt: Weil in der Humanmedizin und vor allem in der Tierzucht massiv und oft unnötig Antibiotika eingesetzt werden, steigt die Zahl der resistenten Bakterien immer weiter. Viele Erreger sind inzwischen sogar gegen mehrere Antibiotikaklassen immun, so dass Infektionen mit diesen multiresistenten Keimen kaum mehr wirksam bekämpft werden können. Die Weltgesundheitsorganisation warnt bereits vor einem “postantibiotischen Zeitalter” und fordert ein schnelles und entschiedenes Vorgehen gegen zunehmende Resistenzen.
Weil Bakterien sehr leicht Gene untereinander austauschen können, beginnt die Gefahr der Resistenzverbreitung schon dann, wenn harmlose Bakterien aus der Tierhaltung gegen die Antibiotika immun werden. Gelangen diese Keime mit der Gülle in die Umwelt, beispielsweise in den Boden, können dort Krankheitserreger diese Resistenzgene erwerben.
Stichproben aus deutschen Schweineställen
Forscher haben erst vor Kurzem Alarm geschlagen, weil in China ganze Areale um Schweinefarmen herum mit resistenten Keimen durchseucht sind. Auch das Sediment im Mündungsgebiet der großen Flüsse Chinas wimmelt vor Resistenzgenen. Wie groß das Problem bei deutschen Ställen ist, blieb jedoch bisher weitgehend unklar – immerhin gelten in der EU eigentlich strengere Regelungen für den Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung.
Um die Verbreitung resistenter Keime durch die Tierhaltung zu untersuchen, hat Greenpeace nun 19 Stichproben von Gülle aus Schweineställen in sieben deutschen Bundesländern analysiert. An den zufällig ausgewählten Standorten entnahmen die Tester jeweils eine Probe aus den Gülletanks und ließen sie in zwei unabhängigen Labors auf Antibiotika-Rückstände und auf drei verschiedene Resistenztypen testen: auf Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA), auf ESBL-bildende Keime und auf multiresistente gramnegative Bakterien (MRGN).
Resistente Erreger und Antibiotika gefunden
Das Ergebnis: In 15 von 19 Proben wiesen die Tester Antibiotika nach, das entspricht 79 Prozent. In den meisten Fällen handelte es sich um Wirkstoffe aus einer Gruppe von Breitbandantibiotika (Tetrazykline), wie Greenpeace berichtet. Zwar waren die Konzentrationen der Antibiotika gering, doch selbst in niedrigen Dosen können die Wirkstoffe die Resistenzbildung bei Bakterien auslösen, wie der Bericht darlegt.
Noch brisanter ist die Menge an bereits resistenten Bakterien, die in der Gülle gefunden wurden: In 13 Proben – das entspricht 68 Prozent – fanden die Tester ESBL-bildende Keime und damit Bakterien, die gegen Beta-Lactam-Antibiotika resistent sind. Diese werden auch Menschen häufig verabreicht. In sechs Proben wiesen die Labortests sogar Bakterien mit Resistenzen gegen gleich drei Antibiotikagruppen nach. In einer Probe wurde der multiresistente “Krankenhauskeim” MRSA nachgewiesen.





