Der Klimawandel hat unseren ganzen Planeten im Griff – doch in den Polarregionen macht sich die Erwärmung besonders intensiv bemerkbar. Was den Süden betrifft, gab es dabei in den letzten Jahrzehnten neben der Westantarktis auch auf der Antarktischen Halbinsel einen überdurchschnittlich hohen Temperaturanstieg zu verzeichnen. Prognosen zufolge wird sich dieser Trend mit einer weiteren Erwärmung von 0,34 Grad Celsius pro Jahrzehnt bis zum Ende des Jahrhunderts fortsetzen. Studien haben bereits gezeigt, dass die erhöhten Temperaturen schon zu deutlichen Eisverlusten in der Region geführt haben. Im Fokus der Forschenden um Thomas Roland von der University of Exeter steht dagegen bereits seit einiger Zeit die verlängerte Vegetationsperiode, die mit der Klimaerwärmung auf der Antarktischen Halbinsel einhergeht.
Pflanzliches Leben ist auf dem frostigen Kontinent buchstäblich eine Randerscheinung: Nur an den Küsten der nach Norden auslaufenden Antarktischen Halbinsel gibt es ein paar grüne Bereiche. „Auch dort wird die Landschaft noch fast vollständig von Schnee, Eis und Fels dominiert – nur ein winziger Teil ist von Pflanzen besiedelt“, sagt Roland. Dabei handelt es sich neben nur zwei Blütenpflanzenarten vor allem um verschiedene Moosarten, die den Extrembedingungen trotzen können.
Die Vegetation im Visier
Bei früheren Untersuchungen haben die Forschenden bereits „vertikale“ Hinweise auf ein verstärktes Pflanzenwachstum im Zuge der Klimaerwärmung gewonnen: Analysen von Bohrkernen aus Moospolstern zeigten eine zunehmende Biomasseproduktion in den letzten 50 Jahren auf. Bei der aktuellen Studie sind die Forschenden nun der Frage nachgegangen, inwieweit sich dies auch in Veränderungen der bewachsenen Flächen auf der Antarktischen Halbinsel widerspiegelt. Sie werteten dazu Satellitenaufnahmen der Region aus, die den Zeitraum der letzten vier Jahrzehnte umfassen.
So konnte das Team nun dokumentieren: 1986 umfasste die Vegetationsfläche auf der Antarktischen Halbinsel noch insgesamt nur etwa einen Quadratkilometer. Bei der Auswertung der Satellitendaten aus dem Jahr 2021 kamen die Forschenden dagegen auf zwölf Quadratkilometer, die von Grün bedeckt sind. Was den Zuwachs in den letzten vier Jahrzehnten betrifft, war ab 2016 ein besonders deutlicher Anstieg zu verzeichnen, berichtet das Team. Im Vergleich zum gesamten Untersuchungszeitraum beschleunigte sich der Ausbreitungsprozess der Vegetationsdecke demnach noch einmal um etwa 30 Prozent. Obwohl die Gesamtfläche noch immer vergleichsweise klein ist, handelt es sich bei dem Ergrünen der Antarktischen Halbinsel um ein sehr prägnantes Zeichen des Klimawandels, betonen die Forschenden: „Es zeigt sich, wie sogar diese riesige und isolierte Wildnis vom anthropogenen Klimawandel betroffen ist“, so Roland.





