Die tropischen und subtropischen Regenwälder sind nicht nur durch Abholzung und Brandrodung gefährdet. Eine Bedrohung ist auch die massive Zunahme von Lianen und anderen Kletterpflanzen. Davor warnt Stefan Schnitzer vom Smithsonian Tropical Research Institute in Panama, der in einer Metastudie eine große Zahl von Messdaten ausgewertet hat.
Demnach hat sich die Biomasse von Kletterpflanzen in den amerikanischen Tropen in den vergangenen Jahrzehnten zum Teil mehr als verdoppelt. Über diese Zunahme hatte bereits 2002 der britische Forscher Oliver Phillips von der University of Leeds berichtet, war aber von der Fachwelt damals nicht ernst genommen worden. Schnitzers Untersuchungen bestätigen Phillips. Danach gibt es selbst in den Wäldern des US-Bundesstaates North Carolina immer mehr Kletterpflanzen. „Die enorme Vermehrung der Kletterpflanzern wird tiefgreifende Veränderungen auf die Tierwelt haben und auf die Menschen, die vom Regenwald abhängig sind”, sagt Schnitzer. Denn die Lianen schaden den Bäumen. Sie wachsen an ihnen empor und konkurrieren mit den Baumkronen um das Licht. Und wenn sie zu sehr wuchern, droht ihre Last die Bäume zu erdrücken.
Warum sich Lianen in den vergangenen Jahren derart vermehrt haben, darüber kann Schnitzer nur spekulieren. Eine Möglichkeit wäre, dass sie gegenüber Klimaschwankungen weniger empfindlich sind als andere Pflanzen.





