Einige Wildtiere, darunter viele Fledermäuse, kommen in städtischen Lebensräumen relativ gut zurecht; sie passen sich an und finden genug Nahrung. Andere Arten stellt die Futtersuche dort jedoch vor Herausforderungen. „Es leben zwar viele Fledermausarten in städtischen Gebieten, aber es geht nicht allen gleichermaßen gut“, sagt Seniorautor Christian Voigt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin. Aufgrund der dichten Bebauung ist das Nahrungsangebot in der Stadt eher schlecht, sagt Voigt. Beute finden die Fledermäuse nur in Parks, auf Friedhöfen und rund um Flutlichter. Vor allem für größere Fledermausarten wie den ungefähr 30 Gramm schweren Großen Abendsegler (Nyctalus noctula) kann dies zum Problem werden.
Viel Aufwand, wenig Beute
Ein Forschungsteam um Erstautorin Laura Stidsholt vom IZW in Berlin hat nun untersucht, wie die Tiere mit dieser Situation umgehen. Dafür statteten die Wissenschaftler mehrfach Große Abendsegler im Stadtgebiet Berlin und in einem ländlichen Gebiet rund um Rostock mit kleinen GPS-Trackern (24 Tiere) und Sensoren (22 Tiere) aus. Die Sensoren enthielten Ultraschallmikrophone, Beschleunigungsmesser und Messgeräte für das Magnetfeld, die Temperatur und den Luftdruck. Dies ermöglichte es den Forschenden, die Bewegungen und das Veralten der Tiere bei ihrer nächtlichen Jagd nachzuverfolgen. Aus diesen Daten analysierten Stidsholt und ihre Kollegen, wie viele Tiere in den Gebieten gleichzeitig unterwegs waren, wie lange, wie weit und wie energieeffizient sie flogen und wie viele Insekten sie dabei attackierten. Anhand von Kaugeräuschen schätzten die Forschenden, wie viele der Angriffe erfolgreich waren und wie groß die Beutetiere waren.
Die Ergebnisse zeigten, dass die Großen Abendsegler in beiden Umgebungen ähnlich große Beutetiere jagten, jedoch mit unterschiedlichem Erfolg: In der Stadt erbeuteten sie deutlich weniger Insekten als auf dem Land, sowohl insgesamt als auch pro Flugzeit. Beispielsweise attackierten die Fledermäuse in der Stadt pro Minute zwei Insekten, auf dem Land waren es sechs, wie die Bewegungsdaten zeigten. Zudem mussten die Fledermäuse in der Stadt gut 100 Meter höher und deutlich weitere Strecken fliegen, um genug Nahrung zu finden.
Insgesamt müssen Fledermäuse dadurch bei der Futtersuche in der Stadt mehr Energie aufbringen und fangen dennoch weniger Beute als auf dem Land, wie die Forschenden berichten. Zudem haben die Fledermäuse ihr Verhalten offenbar bereits an das geringere urbane Nahrungsangebot angepasst. „In der Stadt waren Große Abendsegler weniger sozial, sie jagten also seltener mit Artgenossen zusammen“, berichtet Stidsholt. „Wahrscheinlich war die Gruppenjagd in der Stadt unnötig, da es für eine Stadtfledermaus überschaubar ist, in welchen Grünanlagen sich Beuteinsekten befinden. Auf dem Land benötigen sie hierfür die Unterstützung ihrer Artgenossen“, sagt Stidsholt.





