Die umfangreichste medizinische Datenbank der Welt entsteht derzeit in den USA. Rund vier Millionen Patientendaten wollen Wissenschaftler der Mayo Clinic in Rochester in Zusammenarbeit mit der Firma IBM erfassen. Ärzte sollen sich anhand der Daten künftig schnell und gezielt über die medizinische Vorgeschichte ihrer Patienten informieren können. Neben einer verbesserten Behandlung von Krankheiten erhoffen sich die Mediziner von der elektronischen Bibliothek auch raschere Fortschritte in der Forschung.
Die Datenbank stellt einen enormen medizinischen Fortschritt dar. Wir betreten damit Neuland, sagt Piet de Groen, Leiter des Datenbankprojekts. Seit Januar diesen Jahres entwickeln rund fünfzig Mediziner und Softwarespezialisten das elektronische Informationssystem, erste Praxistests sind für Juli geplant. Sämtliche Patientendaten liegen bereits in digitaler Form vor, wurden bislang aber nie in einer zentralen Kartei zusammengefasst. Zunächst sollen die Archivdaten, die bis ins Jahr 1994 zurückreichen, einer kleinen Gruppe von Wissenschaftlern zur Auswahl von Testpersonen für medizinische Studien dienen.
Auch für ausgefallene Erkrankungen lassen sich über einfache Datenbankabfragen in minutenschnelle passende Probanten finden. Die große Informationsmenge könnte die Erforschung von Krankheitsursachen und die Entwicklung besserer Medikamente und Behandlungsmethoden erheblich beschleunigen, glauben die Wissenschaftler. So stehen einem Arzt, der einen Patienten mit einer Gelenkserkrankung behandelt, in den USA theoretisch sieben Millionen ähnliche Fälle als Studienmaterial zur Verfügung.
In Zukunft werden mehr als 2.400 Ärzte und Forscher aus über 100 Fachgebieten auf die Bibliothek zugreifen. Nach und nach sollen auch genetische Daten der Patienten Eingang ins Informationssystem finden. De Groen zufolge ist der Datenschutz dabei gewährleistet. Elektronische Patientenakten sollen für Forscher nur anonymisiert oder mit Einwilligung der betroffenen Personen zugänglich sein.
Almut Bruschke-Reimer





