In den letzten Jahrhunderten sind die Deutschen – und viele andere Völker – immer größer geworden. Jetzt scheint der Höhenflug zumindest in Europa zu Ende zu gehen.
Der preußische Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. (1688 bis 1740) war stolz auf seine „Langen Kerls”: Wohlproportioniert und vor allem hoch gewachsen mussten die Mannen seines Potsdamer Leib-Bataillons sein. 188 Zentimeter war die Mindestgröße.
Damit würde heute niemand mehr groß Eindruck schinden. Jeder durchschnittliche deutsche Wehrpflichtige erreicht knapp 180 Zentimeter. Fast ein Viertel der jungen Soldaten misst mehr als 185 Zentimeter. In den vergangenen 150 Jahren sind die deutschen Rekruten 15 Zentimeter in die Höhe geschossen.
Vor allem im 20. Jahrhundert haben die Deutschen an Körpergröße zugelegt. Diese „Akzeleration” trifft beide Geschlechter und alle Bevölkerungsschichten. Den Trend belegen unter anderem die Daten des Sportwissenschaftlichen Instituts der Universität Karlsruhe: Seit 1920 werden dort Studenten vermessen, zuletzt im Jahr 2000. In diesen 80 Jahren sind die männlichen Studenten um 11,5, die weiblichen um 8 Zentimeter gewachsen. In Jena werden seit 100 Jahren Schulkinder systematisch gemessen. Ergebnis: Die 14-jährigen Schulmädchen heute sind im Schnitt 16 Zentimeter größer als ihre Altersgenossinnen zur Zeit des Kaiserreichs (siehe Tabelle nächste Seite ). Mit durchschnittlich 163 Zentimetern sind sie sogar länger, als es die erwachsenen Frauen vor 40 Jahren in Deutschland waren.
Obwohl die Tendenz für alle gilt, gibt es Unterschiede: Norddeutsche sind im Schnitt immer noch zwei Zentimeter größer als Süddeutsche und Akademiker länger als Arbeiter, wobei sich der früher sehr deutliche Abstand verringert hat. Auch die Ostdeutschen, die zu DDR-Zeiten kleiner waren als die Brüder im Westen, haben aufgeholt.
Doch der letzte Mikrozensus ergab: Noch immer misst ein Mecklenburger einen Zentimeter weniger als ein Niedersachse. Die Anthropologen sprechen von einem „säkularen Trend der Akzeleration”. „Nicht nur in Deutschland, in ganz Europa, den USA, Australien, Japan und Neuseeland sind die Menschen in den letzten 100 Jahren immer größer geworden”, bemerkt Anthropologie-Professor Georg Kenntner.
Der Sportwissenschaftler an der Universität Karlsruhe hat auf vielen Kontinenten das Längenwachstum der Menschen untersucht und dabei beobachtet, dass die Akzeleration je nach Land zu einem anderen Zeitpunkt anfing. In den USA begann sie Anfang des 19. Jahrhunderts. In der Alten Welt setzte der Schub zuerst bei den Nordeuropäern ein, Mittel- und Südeuropäer folgten. Die Europäer legten dann dermaßen zu, dass die Nordamerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Vorsprung einbüßten. „Insgesamt gesehen ist die Zunahme im 20. Jahrhundert historisch beispiellos, auch wenn es in früheren Epochen durchaus Schwankungen in der Körperhöhe gab”, resümiert Kenntner.
Das Längenwachstum vollzog sich in einer Wellenbewegung. Jenaer Anthropologen haben anhand von Skeletten im Mittelelbe-Saale-Gebiet die mittlere Körpergröße von Männern und Frauen seit der Jungsteinzeit, dem Neolithikum, rekonstruiert.
In der Bandkeramik-Zeit, etwa 4500 v.Chr., brachte es ein durchschnittlicher Mann auf knapp 166 Zentimeter, eine Frau auf etwa 157 Zentimeter. Bis zum 8. nachchristlichen Jahrhundert wurden die Menschen in diesem Gebiet immer größer, bis zum 12. Jahrhundert schwankten die mittleren Körperhöhen. Im anschließenden Hochmittelalter bis ins 14. Jahrhundert hinein schrumpften die Menschen wieder. In der Neuzeit (ab dem 16. Jahrhundert) blieben die Menschen zunächst klein. Selbst bei Rekrutenmessungen im Jahr 1890 brachte es der durchschnittliche deutsche Jüngling nur auf 167 Zentimeter. Erst danach setzte die säkulare Akzeleration ein.
Die teilweise massiven Schwankungen in der Körperhöhe führt Kenntner auf das jeweilige sozioökonomische Umfeld zurück: „ Positiv sind die Werte in den Phasen der besseren Lebensbedingungen, stark abfallend in Zeiten des Notstandes.”
• Bis 1500 zum Beispiel waren die männlichen Isländer mit 172 Zentimetern relativ groß, in den nächsten 300 Jahren schrumpften sie um fünf Zentimeter, bis zur Mitte des 20 zentralen Nervensystem erkennen konnten, entwickelten später tatsächlich eine schwere Form von MS.
In der gleichen Ausgabe des New England Journal of Medicine berichten amerikanische Forscher, dass sie im Gehirn verstorbener MS-Patienten Zellen entdeckt haben, die offenbar versucht hatten, den entstandenen Schaden zu reparieren. Aus einem unbekannten Grund sind sie jedoch nicht erfolgreich gewesen. Die Forscher hoffen nun auf einen Weg, solche Zellen zu unterstützen.
Eine Stammzelltherapie gegen MS, wie sie immer wieder vorgeschlagen wird, erscheint nach ihrer Entdeckung wenig erfolgversprechend, erklären die Ärzte: Es mache keinen Sinn, neue Zellen in das Gehirn zu transplantieren, wenn das Gehirn bereits selbst versucht, Zellen zu mobilisieren.
ddp/bdw – Andreas Wawrzinek





