Dr. Shuijin Hu von der North Carolina State University hat in der Zeitschrift Nature eine Studie veröffentlicht, nach der nicht nur Wälder sondern auch Grasflächen sogenannte Kohlendioxidsenken sind. Ökosysteme gelten dann als Kohlendioxidsenken, wenn sie mehr Kohlendioxid von der Atmosphäre absorbieren, als sie durch die Verrottung von Pflanzenmaterial an sie abgeben. “Eine Grassfläche kann zumindest kurzfristig als Senke Kohlendioxid wirken. Wälder mögen aber im Vergleich zu Grassflächen ein größeres Potential als Langzeit-Kohlendioxidsenken haben, da sie mehr Kohlenstoff in ihrer oberirdischen Biomasse speichern und sie durch ihre Wurzeln Zugang zu Nährstoffen auch in tieferen Bodenschichten haben”, schreibt Dr. Shuijin Hu.
Dass Wälder unterm Strich mehr Kohlendioxid speichern als sie abgeben ist schon lange bekannt, nun entdeckten Wissenschaftler einen Vorgang, durch den Grasflächen zumindest kurzfristig als Kohlendioxidsenken dienen können.
In ihrer Studie setzten die Wissenschaftler eine Grasfläche für fünf Jahre einer doppelt so hohen Kohlendioxidkonzentration als normal aus und ermittelten dann den Kohlenstoffgehalt im Boden. Sie stellten fest, dass der Boden der behandelten Grasflächen mehr Kohlenstoff als der Boden der unbehandelten Kontrollflächen enthielt.
Die Mikroorganismen im Boden spielen bei diesem Prozess eine entscheidende Rolle. Durch die erhöhte Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre wuchs das Gras schneller und entzog dem Boden vermehrt Stickstoff. Dadurch stand den Mikroorganismen im Boden zu wenig Stickstoff zur Verfügung, weshalb sie abgestorbenes Pflanzenmaterial langsamer zersetzten. Dadurch nahm der Kohlenstoffgehalt im Boden zu und es gelangte weniger Kohlendioxid an die Atmosphäre.
Da das abgestorbene Pflanzenmaterial langsamer abgebaut wird, wird aber auch der in ihm enthaltene Stickstoff langsamer an den Boden abgegeben. Damit steht den Gräsern später weniger Stickstoff zur Verfügung und ihr Wachstum wird wieder gebremst – sie nehmen dann weniger Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf.
Ralf Möller





