In gewisser Weise leben sie in uns weiter: Als der Homo sapiens einst auf seine noch parallel existierenden Cousins traf, kam es zu Vermischungen, haben Studien der letzten Jahre gezeigt. Davon zeugen deutliche Spuren des Erbguts von Neandertalern beziehungsweise Denisova-Menschen im Genom einiger heutiger Menschengruppen. Dabei zeichnet sich auch ab, dass sich die einstigen Kreuzungen teilweise günstig auf das genetische Profil der Menschen ausgewirkt haben könnten. Ist Ähnliches möglicherweise auch bei unseren nächsten Verwandten im Tierreich abgelaufen? Im Fall der Zwergschimpansen – der Bonobos – haben Wissenschaftler bereits Hinweise auf einen genetischen Einfluss einer ausgestorbenen Linie im Erbgut entdeckt. Nun zeigt ein internationales Forscherteam dies auch bei den Gorillas auf.
Gen-Spuren einer „Geister-Population“
Diese Gruppe der Menschenaffen setzt sich aus zwei Arten zusammen – den Westlichen und Östlichen Gorillas. Bei beiden gibt es zudem wiederum Unterarten: Zu den Westlichen Gorillas zählen die Westlichen Flachlandgorillas und die Cross-River-Gorillas. Zu der zweiten Art gehören die Östlichen Flachlandgorillas und die nahe verwandten Berggorillas. Für die Studie haben die Forscher nun das Erbgut aller vier Unterarten einer speziellen Analysetechnik unterzogen. Darunter befanden sich auch neu sequenzierte Berggorilla-Genome aus dem Bwindi-Nationalpark in Uganda. Dabei kamen innovative statistische Methoden und künstliche Intelligenz zum Einsatz, um Besonderheiten in den Genom-Sequenzen aufzudecken. Anhand bestimmter Merkmale sind dabei auch Rückschlüsse darauf möglich, wann es zu bestimmten genetischen Veränderungen gekommen ist.
Wie die Forscher berichten, stießen sie in den Genomen der Östlichen Flachlandgorillas und der Berggorillas tatsächlich auf die Spuren „archaischer“ Elemente. Sie waren den genetischen Hinweisen zufolge vor etwa 40.000 Jahren ins Erbgut des gemeinsamen Vorfahren beider Unterarten gelangt. Bei den Ahnen der Westlichen Gorillas hat es diesen Genfluss hingegen offenbar nicht gegeben, ging aus den Untersuchungen hervor.
Von welchem ausgestorbenen Gorilla-Vertreter der Beitrag stammte, bleibt allerdings unklar. Denn im Gegensatz zu den menschlichen Cousins – den Neandertalern und Denisova-Menschen – gibt es bei den Menschenaffen aus Mangel an entsprechenden Fossilfunden keine alte DNA von ausgestorbenen Verwandten für Vergleichszwecke. Wie das Team berichtet, sind aber anhand der genetischen Merkmale zumindest Rückschlüsse darauf möglich, wie alt die „Geister-Entwicklungsline“ war: Sie hatte sich demnach schon vor mehr als drei Millionen Jahren von den gemeinsamen Vorfahren aller heutigen Gorillas getrennt. Irgendwann später trafen die Vorfahren der Östlichen Gorillas auf diese archaischen Verwandten und paaren sich mit ihren – ähnlich wie im Fall von Mensch und Neandertaler. “Bis zu drei Prozent des Genoms der beiden heutigen östlichen Gorillagruppen tragen dadurch nun Überreste von Genen dieser “Geister-Population“, sagt Seniorautor Martin Kuhlwilm von der Universität Wien.





