Ob sich ein Schwein „sauwohl“ fühlt – oder aber gestresst, gelangweilt oder verängstigt ist, spiegelt sich in seinem Grunzen und Quieken wider: Forschern ist es mithilfe von Künstlicher Intelligenz gelungen, die emotionale Bedeutung der Laute von Schweinen zu entschlüsseln. Die Erkenntnisse könnten nun Verfahren zur Verbesserung des Tierwohls in der Schweinezucht zugutekommen, sagen die Wissenschaftler.
Wie fühlen sich Schwein und Co bei den teils bedrückend wirkenden Haltungsbedingungen in der Tierzucht? Grundsätzlich gilt mittlerweile als anerkannt, dass auch der emotionale Zustand einen wichtigen Teil des Tierwohls darstellt. Doch nach wie vor liegt der Fokus auf dem körperlichen Zustand von Nutztieren. Um das physische Befinden der Tiere automatisch zu überwachen, stehen Landwirten auch gleich mehrere analytische Systeme zur Verfügung. Im Gegensatz dazu scheint kaum möglich, auch objektive Einblicke in die tierische Empfindungswelt zu erhalten, könnte man meinen. Doch wie die aktuelle Studie nun im Fall von Schweinen aufzeigt, lassen sich Rückschlüsse ziehen – und zwar, indem man den Tieren genau zuhört.
Grundsätzlich ist zu betonen, dass Schweine weder dumm noch anspruchslos sind: Es handelt sich um hochentwickelte Säugetiere mit komplexen kognitiven Fähigkeiten. Dies spiegelt sich auch in ihren vielschichtigen Lautäußerungen wider. Über deren Bedeutung ist bisher allerdings nur wenig bekannt. Deshalb hat ein internationales Wissenschaftlerteam sich der systematischen Erforschung der emotionalen „Schweine-Sprache“ gewidmet. Dazu verwendeten sie Verfahren der Künstlichen Intelligenz: Sie trainierten ein lernfähiges System darauf, Zusammenhänge zwischen bestimmten Lautmerkmalen und emotionalen Zuständen bei Schweinen zu erkennen.
Lässt sich das emotionale Befinden heraushören?
Die Grundlage zum Training des Systems bildeten mehr als 7000 Tonaufnahmen, die im kommerziellen und im experimentellen Umfeld gesammelt wurden. Sie entstanden dabei in einem breiten Spektrum von positiven und negativen Situationen, mit denen die Tiere konfrontiert sein können – von ihrer Geburt bis zum Tod. Zu den positiven Situationen gehörten beispielsweise solche, in denen Ferkel von ihren Müttern gesäugt werden oder wenn sie nach einer Isolierung wieder mit ihrer Familie vereint wurden. Zu den emotional negativen Erfahrungen gehörten unter anderem Trennungen, Futterentzug und Konflikte. Auch die Laute bei den extrem negativen Erfahrungen waren Teil der Studie: bei Kastrationen sowie beim Umgang mit den Tieren im Schlachthof.
In Versuchsställen boten die Forscher den Schweinen außerdem verschiedene Umgebungen, die differenziertere Emotionen in der Mitte des Spektrums hervorrufen sollten. Dazu gehörten eine Arena mit Spielzeug oder Futter sowie ein Vergleichsumfeld ohne jegliche Reize. Die Forscher platzierten auch neue und ungewohnte Objekte in die Arena, mit denen die Schweine interagieren sollten. Währenddessen wurden die Rufe, das Verhalten und die Herzfrequenz der Schweine überwacht und aufgezeichnet. Die Forscher fütterten dann ihr „intelligentes“ Computersystem mit den mehr als 7000 Tonaufnahmen, um zu sehen, inwieweit sich ein Muster in den Geräuschen in Abhängigkeit von den emotionalen Bedingungen feststellen lässt.





