Bergwälder schützen die Berghänge vor der Erosion, halten Lawinen auf und bieten vielen Tierarten ein Refugium. Durch die kleinteilige und klimatisch je nach Höhenlage variierenden Bedingungen sind sie wichtige Lebensräume gerade für seltene Spezies mit kleinem Verbreitungsgebiet. Mehr als 85 Prozent der weltweiten Vogel-, Säugetier- und Amphibienarten leben in den Bergregionen und gerade die Hoch- und Nebelwälder der tropischen Gebirgsregionen beherbergen oft eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt. Lange Zeit waren die Bergwälder wegen ihrer oft unzugänglichen Lage, den steilen Hängen und großen Höhen zudem vor der Rodung in größerem Stil geschützt. Weil sich die Berghänge ohnehin kaum als Anbauflächen lohnten, ließ man auch die Wälder weitgehend unbehelligt.
Immer schnellerer Verlust der Bergwälder
Doch das hat sich inzwischen geändert. “Seit Beginn des 21. Jahrhunderts wurden auch die Bergwälder vermehrt ausgebeutet, um Holz und Holzprodukte zu gewinnen, aber auch um neuen landwirtschaftlichen Anbau zu ermöglichen, beispielsweise baumbasierte Plantagen in Südostasien”, erklären Xinyue He von der Süduniversität für Wissenschaft und Technik in Shenzhen und seine Kollegen. Um das Ausmaß des Waldverlusts in Bergregionen zu ermitteln, haben sie Satellitenaufnahmen und nationale Daten zu Waldbedeckung und Waldnutzung in der Zeit von 2001 bis 2018 ausgewertet. Dabei analysierten sie Zu- und Abnahmen der Waldbedeckung nach Waldtypen, Höhenlagen und Region. “Das Wissen um die Dynamik des Waldverlusts entlang von Höhengradienten ist entscheidend, um zu verstehen, wie sich die Lebensräume für waldlebende Arten verändern und verändern werden, wenn sie beispielsweise im Zuge des Klimawandels ihre Verbreitungsgebiete verändern”, erklärt das Team. Denn bei steigenden Temperaturen sind gerade die kühleren, höhergelegenen Bergwälder für viele Spezies wichtige Ausweichgebiete.
Die Analysen ergaben, dass die Fläche der globalen Bergwälder seit der Jahrtausendwende um 78,1 Millionen Hektar abgenommen hat, dies entspricht 7,1 Prozent der Gesamtfläche. Am stärksten betroffen sind davon die besonders artenreichen Bergwälder in tropischen Regionen. “Mit 32,9 Millionen Hektar machten tropische Bergwälder 42 Prozent des globalen Bergwaldverlusts aus”, berichten He und seine Kollegen. In den tropischen Regionen vor allem Asiens hat sich der Waldverlust auch am stärksten beschleunigt: Weltweit sind die Bergwälder in der Zeit seit 2010 eineinhalbmal schneller geschrumpft als im gleichen Zeitraum davor. In den tropischen Bergwäldern lag die Rate des jährlichen Bergwaldverlusts ab 2010 aber sogar doppelt so hoch wie noch davor. Immerhin: Wird das abgeholzte Gebiet in diesen Regionen sich selbst überlassen, wächst der Wald dort auch am schnellsten wieder nach. Allerdings reicht die Mengen der renaturierten Flächen nicht aus, um den Verlust auszugleichen, wie die Forscher erklären.





