Was alle Menschen brauchen, sollte auch allen gehören und von allen genutzt und geschützt werden. So lautet die anerkannte Idee der globalen Gemeinschaftsgüter. Geografische Regionen wie die Hohe See und die Tiefsee, die Antarktis, der Weltraum und die Atmosphäre werden daher von allen Staaten und Menschen gemeinsam genutzt, niemand hat das alleinige Anrecht darauf. Diese Güter zu schützen und effektiv zu verwalten, liegt im Interesse aller. Doch sind mit dieser Definition bereits alle Global Commons abgedeckt? Und wie lässt sich rechtlich besser gegen Leute vorgehen, die diese Gemeinschaftsgüter beschädigen oder ausbeuten und damit Menschen und den Planeten gefährden?
Klimawirksame Regionen sollen Gemeinschaftsgüter werden
Diese Fragen haben führende Forschende aus den Rechts-, Politik- und Erdsystemwissenschaften zwei Jahre lang diskutiert. Besonders im Blick hatten sie bei ihrer Betrachtung den Klimawandel, von dem weltweit alle Menschen betroffen sind und der über nationale Grenzen hinauswirkt.
Als Ergebnis ihrer Erörterungen schlagen sie vor, die Idee der globalen Gemeinschaftsgüter zu erweitern und auch sogenannte „planetare Gemeinschaftsgüter“ einzubeziehen. Künftig sollen demnach auch biophysikalische Systeme der Erde als Global Commons gelten, die „die Widerstandsfähigkeit und den Zustand und damit auch die Lebensqualität auf der Erde regulieren“, fordern die Wissenschaftler. Gemeint sind damit neben den bisherigen Commons aus der Geo-, Hydro-, Kryo- und Atmosphäre auch Teile der Biosphäre wie natürliche Kohlenstoffsenken und große Waldsysteme, die das Klima und seine Kipppunkte erheblich beeinflussen.
Als Beispiele für solche kritischen Kippelemente nennt die Studie bewaldeten Permafrost, tropische Regenwälder, Feuchtgebiete und Korallenriffe. Wenn diese Teile des Erdsystems ihren Kipppunkt erreichen, könnten sie dauerhaft in einen neuen Zustand mit Folgen für die gesamte Erde übergehen – beispielsweise, wenn der Amazonas-Regenwald zur Savanne wird. „Vom Amazonas-Regenwald bis zu den Eismassen Grönlands steigt die Gefahr, Veränderungen in der Funktionsweise des Erdsystems auszulösen, die unumkehrbar und unkontrollierbar sein könnten“, erklärt Erstautor Johan Rockström vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. „Da diese Veränderungen Menschen auf der ganzen Welt betreffen, argumentieren wir, Kippelemente als planetarische Gemeingüter zu betrachten, die der Welt anvertraut wurden und daher einer gemeinsam koordinierten Steuerung bedürfen.“





