Die rund 275.000 Gletscher weltweit speichern riesige Mengen an Süßwasser. Im Jahr 2000 erstreckten sich diese Eisströme außerhalb der großen Eispanzer Grönlands und der Antarktis auf über 705.221 Quadratkilometer und hatten eine Masse von schätzungsweise 121.728 Milliarden Tonnen Eis. Der Abfluss vor allem der großen Berggletscher speist zahlreiche Flüsse und spielt in vielen Regionen der Welt eine entscheidende Rolle für die Wasserversorgung. Wenn die Gletscher im Winter ähnlich viel Eis hinzugewinnen wie in den warmen Monaten abschmilzt, besteht ein nachhaltiges Gleichgewicht. Doch durch den menschengemachten Klimawandel verlieren die Gletscher immer mehr Eis.

Beschleunigter Rückgang
Ein internationales Forschungsteam um Michael Zemp von der Universität Zürich hat nun die bisher umfangreichste Übersicht über die Masseverluste der Gletscher weltweit erstellt. Dazu kombinierten die Forschenden Feldmessungen direkt an Gletschern mit Radar-, Laser- und Gravimetriedaten aus zahlreichen Satellitenmissionen. „Wir haben 233 Berechnungen regionaler Gletschermasseveränderungen aus etwa 450 Datenquellen von 35 Forschungsteams zusammengetragen“, erklärt Zemp.
Die Ergebnisse zeigen, dass sich der Rückgang der Gletscher seit der Jahrtausendwende noch einmal deutlich beschleunigt hat: Durchschnittlich verloren die Gletscher 273 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr, wobei die Verluste in der zweiten Hälfte des Untersuchungszeitraums, also von 2012 bis 2023 um 36 Prozent höher lagen als zwischen 2000 und 2011. Seit 2019 gingen jedes Jahr mehr als 400 Milliarden Tonnen Eis verloren und im letzten Beobachtungsjahr, 2023, verzeichneten die Forschenden einen Rekordverlust von 548 Millionen Tonnen Eis. Damit ist an den Gletschern der Welt mehr Eis abgeschmolzen als an den Eisschilden in Grönland und der Antarktis.
Kleine Gletscher besonders betroffen
Insgesamt hat sich die Masse der Gletscher weltweit im Beobachtungszeitraum um 6.542 Milliarden Tonnen verringert. „Diese Eisverluste haben 18 Millimeter zum Anstieg des Meeresspiegels beigetragen“, berichtet das Forschungsteam. Damit hat die Gletscherschmelze den zweithöchsten Anteil am Anstieg des Meeresspiegels nach der Ausdehnung des Wassers durch gestiegene Temperaturen.
Wie stark die einzelnen Gletscher geschmolzen sind, ist regional unterschiedlich. Während die polaren Gletscher der antarktischen und subantarktischen Inseln nur 1,5 Prozent ihrer Masse verloren, sind die Berggletscher in den Alpen und den Pyrenäen mit etwa 39 Prozent am stärksten geschrumpft. „Aufgrund ihrer geringen Höhenlage sind diese Gletscher von den gestiegenen Temperaturen besonders betroffen“, erläutert Co-Autor Tobias Bolch von der Technischen Universität Graz. Auch die vergleichsweise geringe Ausdehnung der meisten Gebirgsgletscher ist ein Nachteil: „Gletscher haben generell einen kühlenden Effekt auf das Mikroklima ihrer Umgebung“, so Bolch. „Bei kleinen Gletschern ist dieser Effekt jedoch nur schwach ausgeprägt, weshalb sie schneller schmelzen als große Gletscher.“





