Die Weibchen von Nachtfaltern erhöhen durch die Aufnahme von pflanzlichen Giftstoffen ihre Fruchtbarkeit. Das haben amerikanische Biologen beim Bärenspinner Utetheisa ornatrix entdeckt. Die Nachtfalter, die am meisten Giftstoffe besaßen, legten ihre Eier viel schneller ab als ihre Artgenossen. Durch diesen Prozess geschwächt, starben sie aber auch früher.
Die pflanzlichen Giftstoffe, so genannte Alkaloide, werden von den Larven von Nachtfaltern über die Futterpflanzen aufgenommen und während ihrer Metamorphose von der Raupe zum Schmetterling gespeichert. Sie schützen die Nachtfalter und deren Eier unter anderem vor räuberischen Spinnen und vor als Parasiten lebenden Wespen. In ihrer Studie stellten die Wissenschaftler nun fest, dass die Giftstoffe noch einen zweiten Vorteil bieten: Sie stimulieren die Eiablage der weiblichen Falter. Zwar wird dadurch das Leben der weiblichen Bärenspinner verkürzt, aber sie pflanzen sich erfolgreicher fort. Zum einen können sie sich schneller vermehren, zum anderen sinkt die Wahrscheinlichkeit, vor der Eiablage von einem Räuber oder durch eine Krankheit getötet zu werden.
Die Insekten mit den meisten Alkaloiden sind im Durchschnitt auch größer. Bei Männchen erhöht das den Paarungserfolg, da die Weibchen sie somit als Träger guter Gene identifizieren, die viele Giftstoffe für den Nachwuchs beisteuern. Da sie so schnell den optimalen Partner finden können, ist es für die Weibchen vernünftiger, sich sofort zu paaren und möglichst schnell ihre Eier abzulegen, glauben die Wissenschaftler.
Der Besitz von Giftstoffen verkürzt auch die Larvenentwicklung, ergaben weitere Untersuchungen der Wissenschafter. Die Giftstoffe werden von der Mutter und dem Vater im Ei deponiert und wirken in den Larven als Appetitanreger. Diese verbringen mehr Zeit mit Fressen und fressen auch schneller, so dass sie größer werden und mehr Giftstoffe über die Futterpflanzen aufgenommen haben, wenn sie sich verpuppen.
Marta del Campo (Staats-Universität von New York in Binghampton) et al.: PNAS, Online-Vorabveröffentlichung DOI: 10.1073/pnas.0505725102
ddp/wissenschaft.de ? Eva Maria Marquart





