Mehrere Seetang-Arten im Pazifik und in der Karibik produzieren giftige Chemikalien, die benachbarte Korallen schädigen oder töten können. Manche dieser Seetang-Spezies greifen die Korallen bereits innerhalb von zwei Tagen an, während andere ihre schädigende Wirkung erst innerhalb von 20 Tagen entfalten. Dass die Situation für Korallenriffe nun kritisch wird, liegt an der Überfischung der Meere: Da die Zahl der Fische permanent sinkt, die sich von Seetang ernähren, bedroht der giftige Tang Korallenriffe auf der ganzen Welt.
Im Rahmen der Wiederansiedlung beschädigter Korallenriffe pflanzte das Forscherteam um Mark E. Hay vom Georgia Institute of Technology, Atlanta, zwei Korallenarten in den Riffen rund um die Fidschi-Inseln im Pazifik und bei Panama in der Karibik an. In unmittelbarer Nähe der empfindlichen Meereslebewesen siedelten sie verschiedene Arten von Seetang an ? in der Karibik sieben, im Pazifik acht verschiedene Spezies. Anschließend beobachteten die Forscher jeweils nach zwei, zehn und zwanzig Tagen, welchen Einfluss der Seetang auf die Gesundheit der Korallen hatte.
?In der Karibik töteten fünf der sieben untersuchten Seetang-Arten die Korallen ab?, berichtet Hay. Dabei führte der direkte Kontakt mit manchen Seetang-Spezies bereits nach zwei Tagen zum Ausbleichen und Absterben der Korallen. Bei anderen Arten trat der schädigende Effekt dagegen erst im Lauf von 20 Tagen auf. Mechanische Reize oder der Schatten der benachbarten Seetang-Pflanzen hatten dabei allerdings keinen Einfluss, denn Seetang-Imitat aus Plastik beschädigte oder tötete die Korallen nicht.
Um zu überprüfen, ob stattdessen chemische Substanzen für das Absterben der Korallen verantwortlich sind, trugen die Forscher ein Extrakt aus den Seetang-Pflanzen auf eine Art Verband auf, den sie anschließend um die Korallen wickelten. Die Untersuchung ergab eindeutig, dass sowohl Stoffe von der Oberfläche des Seetangs als auch Extrakte aus der ganzen Pflanze für die Korallen tödlich sind. ?Warum Seetang diese chemischen Substanzen enthält, wissen wir nicht?, erklärt Hay. ?Möglicherweise schützt er sich damit vor Infektionen oder sichert sich seinen Platz gegenüber anderen Seetang-Arten.?
Bereits in früheren Studien hatten Hay und sein Team gezeigt, dass Seetang in Korallenriffen stärker wächst, wenn bestimmte Fischarten vom Riff ferngehalten werden. Dabei hatten die Forscher auch beobachtet, dass einige Fische bestimmte Arten von Seegras bevorzugen. ?Wenn diese pflanzenfressenden Fische wegbleiben, entsteht ein Teufelskreis, der vermutlich nur noch schwer zu durchbrechen ist?, erläutert Hay: ?Je mehr Fische gefangen werden, desto mehr Seetang siedelt sich an, und je mehr Seetang sich ansiedelt, desto größer ist der Schaden für die Korallen. Schließlich leben wiederum umso weniger Fische im Riff, je weniger Korallen es gibt.? Allerdings könne das Wissen über diese Zusammenhänge dazu beitragen, gezielt Fischarten unter Schutz zu stellen, die Seetang fressen und so dessen Wachstum eindämmen können.
Mark E. Hay (Georgia Institute of Technology, Atlanta) et al.: PNAS, doi: 10.1073/pnas.0912095107 ddp/wissenschaft.de ? Christine Amrhein





