Keine klare Zuordnung möglich
Ihren statistischen Auswertungen zufolge gibt es durchaus bestimmte Merkmale einzelner Hirnstrukturen, die häufiger in Männerhirnen zu finden sind als bei Frauen und umgekehrt – doch exklusiv männlich oder weiblich sind sie nicht. Letztlich kennzeichnen die Gehirne von Männern und Frauen unterschiedliche Mischungen von Teilen, die tendenziell eher männlich beziehungsweise weiblich sind. Gehirne, die rein männliche oder rein weibliche Merkmale aufweisen, bilden nur einen Anteil von weniger als acht Prozent. Die Mehrheit der Gehirne von Männern und Frauen zeichnet hingegen ein Mosaik von statistisch eher weiblichen beziehungsweise männlichen Strukturmerkmalen aus. “Menschliche Gehirne lassen sich nicht in geschlechtsspezifische Kategorien einordnen”, lautet das Fazit der Forscher.
Wie sie schreiben, decken sich ihre strukturellen Untersuchungsergebnisse mit statistischen Studienresultaten zu Verhaltensweisen, Einstellungen und Begabungen von 5.500 Männern und Frauen. Auch dabei gibt es im Einzelnen geschlechtsspezifische Tendenzen, unterm Strich besitzen Menschen aber auch auf der Charakterebene meist eine Mischung eher femininer und tendenziell maskuliner Persönlichkeits-Aspekte.
Gesellschaftliche Relevanz
Die Forscher betonen auch die gesellschaftliche Relevanz des Themas: Was den Menschen auszeichnet, ist große individuelle Vielfalt, die nicht vor Geschlechtergrenzen halt macht, so das Fazit. Dies sollte viel eher betont werden als geschlechtsspezifische Tendenzen. Denn letzteres könnte dazu führen, dass Menschen in ihrer freien Persönlichkeitsentfaltung eingeschränkt werden. “Die Sicht auf Menschen als vielfältige Individuen hat große Bedeutung für Debatten über den Sinn von Geschlechtertrennung in der Schule oder die soziale Kategorisierung von Menschen je nach Geschlecht”, schreiben Daphna Joel und ihre Kollegen.





