Die Strategie beim Melken ist entscheidend für die Qualität der Milch und die Gesundheit der Kuh. Das schließen deutsche Forscher aus einer zwei Jahre dauernden Studie. Demnach geben Kühe bessere Milch, wenn sie während oder nach der Trächtigkeit in einem speziellen Rhythmus gemolken werden. Durch kleine Veränderungen im Melkrhythmus kann eine Kuh so Milch mit einem höheren Eiweißanteil geben. Das ist nicht nur gesünder für den Verbraucher, die Bauern erzielen für hochwertigere Milch auch höhere Preise. Das neue Vorgehen sei außerdem für die Kühe gesünder als die traditionelle Melkmethode.
Eine moderne Milchkuh gibt 10.000 Liter Milch und mehr pro Jahr. Doch Menge ist heute nicht mehr alles: Eine ebenso wichtige Rolle spielt der Proteingehalt der Milch. Gerade das Milcheiweiß ist für den Verbraucher nämlich sehr wertvoll, weil es viele lebensnotwendige Aminosäuren und Mineralien enthält. Außerdem zahlen Molkereien deutlich mehr Geld für proteinreiche Milch.
Die Wissenschaftler um Gregor Schlamberger von der Technischen Universität München verglichen deshalb drei Arten des Melkens und ihre Auswirkungen auf die Menge und die Inhaltsstoffe der Milch sowie die Gesundheit der Kühe. In einer Kontrollgruppe wurden die Tiere nach der herkömmlichen Methode behandelt: Während ihrer neunmonatigen Trächtigkeit wurden sie die ersten sieben Monate lang gemolken. Die letzten zwei Monate vor der Geburt des Kälbchens hingegen wurden sie “trocken gestellt”, also nicht mehr gemolken, damit sich ihre Milchdrüsen regenerieren können. Sobald das Kalb geboren war, wurden die Kühe wieder zweimal täglich gemolken. Die zweite Gruppe von Kühen wurde nach der Geburt der Kälbchen langsamer wieder an das Melken gewöhnt. Sie wurden zwar ebenfalls “trocken gestellt”, aber in den ersten vier Wochen nach der Geburt nur einmal und erst danach zweimal täglich gemolken. Bei der dritten Gruppe ließen die Wissenschaftler die Trockenpause komplett aus und die Kühe wurden durchgehend zweimal pro Tag gemolken.
Die Ergebnisse überraschten auch die Fachleute: Die traditionell gemolkenen Kühe geben zwar auf die gesamte Melkdauer bezogen mehr Milch als die anderen beiden Gruppen. Aber sie verloren mehr Gewicht, ihr Blutzuckerspiegel war niedriger und die Milchqualität geringer. Besser schnitt da die zweite Gruppe ab: Ihre Milch enthielt im Schnitt 0,3 Prozent mehr Eiweiß. Unangefochtener Sieger war jedoch die dritte Gruppe: Die Milch der Kühe, die ohne Trockenpause gemolken worden war, enthielt sogar 0,5 Prozent mehr Milchprotein als bei der herkömmlichen Methode.
Die Forscher erklären den Zusammenhang so: Die Umstellung von der Trockenphase aufs Melken ist eine große Belastung für den Stoffwechsel der Kuh, sie muss binnen kurzer Zeit den Stoffwechsel umstellen und wieder sehr viel Milch produzieren. Dabei könne es zu einem Zuckermangel kommen und die Milchqualität nehme ab. Die neu getesteten Melkrhythmen hingegen sind schonender für die Kühe, diese bekommen weniger stoffwechselbedingte Gesundheitsprobleme. So haben die Kühe mehr Energie, um Milch und Eiweiß in hoher Qualität herzustellen, so die Wissenschaftler. Wie oft hintereinander die Melkpause ausgelassen werden kann, ohne dass eine Regeneration des Drüsengewebes der Kuh erforderlich ist, soll nun in weiteren Studien erforscht werden.
Gregor Schlamberger (Technische Universität München) et al.: Journal of Dairy Science dapd/wissenschaft.de ? Meike Simann





