Ein Schlaganfall schädigt nicht nur Nervenzellen in der betroffenen Hirnregion, sondern hat auch eine gestörte Kommunikation der Hirnregionen untereinander zur Folge. Erst diese Kombination ist für die Defizite verantwortlich, unter denen Schlaganfallpatienten zu leiden haben, vermuten Wissenschaftler der Washington-Universität in St. Louis. Die Forscher um Maurizio Corbetta stützen sich auf Untersuchungen der Hirnaktivität bei elf Schlaganfallpatienten und gesunden Probanden.
Die untersuchten Schlaganfallpatienten litten unter einem so genannten visuellen Neglect ? eine Störung, die dadurch gekennzeichnet ist, dass die Patienten eine Seite ihres Gesichtsfelds nicht oder nur schwer wahrnehmen können, obwohl ihre Augen im Prinzip voll funktionsfähig sind. So ignorieren die Betroffenen beispielsweise beim Rasieren eine Gesichtshälfte oder lassen das Essen auf einer Seite des Tellers immer liegen. Die Forscher ließen die Patienten auf einem Bildschirm ein Symbol betrachten und beobachteten währenddessen mittels der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRI), welche Hirnregionen bei den Probanden aktiv waren. Die besondere Aufmerksamkeit der Forscher galt dabei den Verbindungen zwischen zwei Hirnregionen, die für die Kontrolle der Aufmerksamkeit und die Verarbeitung von äußeren Reizen verantwortlich sind.
Je stärker der visuelle Neglect bei den Patienten ausgeprägt war, desto mehr war auch die Kommunikation innerhalb und zwischen diesen Hirnregionen gestört, fanden die Forscher heraus. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass nicht nur die direkten Schäden an den Nervenzellen die Wahrnehmungsstörungen auslösen, sondern die Wirkung des Schlaganfalls weiter reicht und die Verbindung der Hirnregionen untereinander stört. Wie ein Mensch auf einer Wippe, dem der Wipp-Partner auf der anderen Seite abhanden gekommen ist, geht der Kommunikationsversuch der jeweiligen Hirnregion dann ins Leere.
In weiteren Studien wollen die Wissenschaftler diese Folge von Schlaganfällen nun bei Patienten untersuchen, die an anderen Defiziten leiden. Möglicherweise spiele die gestörte Kommunikation zwischen Hirnregionen auch bei Sprachstörungen infolge von Schlaganfällen eine Rolle, so die Forscher.
Maurizio Corbetta (Washington-Universität, St. Louis) et al.: Neuron, Bd. 53, Nr. 5 ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald





