Daniel T. Levin von der Kent State University in Ohio zeigte, dass Menschen, obwohl sie sich bei Angehörigen der eigenen Rasse individuelle Merkmale (Augenfarbe, Nasenform oder Gesichtszüge) und bei Menschen einer anderer Rasse meist nur deren Hautfarbe einprägen, das Wiedererkennen von Menschen unterschiedlicher Hautfarbe erlernen können.
Levins vorwiegend weiße Probanden mussten in einer raschen Abfolge von Gesichtern mit mehrheitlich weißer oder schwarzer Hautfarbe jene Gesichter erkennen, die nicht die Hautfarbe der gezeigten Gruppe hatten. Dabei fiel auf, dass die Versuchspersonen das andersfarbige Gesicht schneller erkannten, wenn in der Reihe von Gesichtern mit weißer Hautfarbe ein Gesicht mit schwarzer Haut vorkam als umgekehrt. In einem zweiten Experiment, in dem Levin die Gedächtnisleistung nach dem Betrachten von Jahrbüchern und aktuellen Fotografien untersuchte, stellte sich heraus, dass die Probanden sich an Details bei Gesichtern der eigenen Hautfarbe erinnern konnten und so bestimmte Personen wiedererkannten. Bei Gesichtern einer anderen Hautfarbe dagegen hatten die Versuchspersonen keine Details, sondern nur die Hautfarbe selbst in Erinnerung und ein Wiedererkennen von bestimmten Personen war nicht möglich.
Levin vermutete, dass das Problem nicht darin besteht, dass Menschen sich schlechter an Gesichter einer anderen Hautfarbe als der eigenen erinnern können, sondern schlicht darin, dass sie es nicht tun. Anstelle sich individuelle Charakteristika einzuprägen, ersetzen sie diese Merkmale durch eine allgemeine Gruppeninformation: die Hautfarbe. Das zeigte er im dritten Versuch: In verschiedenen Situationen zwang er seine Versuchsteilnehmer, genaue Unterschiede zwischen Gesichtern einer anderen Hautfarbe als der eigenen zu beschreiben. Hierbei schnitten auch jene Versuchspersonen gut ab, die zuvor ein eher schlechtes Erinnerungsvermögen bei andersfarbigen Gesichtern gezeigt hatten. Für Levin ein Beweis, dass Wahrnehmungs- und Erinnerungsvermögen in diesem Bereich erlernbar sind.
Levins Untersuchungsergebnisse sind von Bedeutung beispielsweise bei der Ausbildung von Polizisten und Sicherheitskräften, um exakte Personenbeschreibungen von Menschen mit unterschiedlicher Hautfarbe zu gewährleisten.
Marion Herzog





