Ihr Wasser ist oft salziger als das der Ozeane: Salzseen liegen meist in Trockenregionen der Erde und sind durch die Anreicherung von Mineralen im Zuge starker Verdunstung entstanden. Ihre Bedeutung ist größer als man meinen könnte: Sie enthalten rund 44 Prozent des gesamten Seenvolumens der Erde – allerdings mit stark abnehmender Tendenz. Durch Übernutzung von Zuflüssen durch Siedlungen, die Landwirtschaft sowie durch Veränderungen im Zuge des Klimawandels, verlieren viele Salzseen der Erde zunehmend an Wasser. Bekannte Beispiele für den enormen Verlust von Wasserflächen in den letzten Jahrzehnten sind der Aralsee, das Kaspische Meer, der Urmia-See und der Great Salt Lake. Die Verluste wirken sich in komplexer Weise negativ aus: Unter anderem werden Lebensräume für Tiere zerstört und die Trockenflächen können durch Aufwirbelungen des Sediments die Luftqualität weiträumig beeinträchtigen.
Steigt Treibhausgas aus dem salzigen Grund auf?
Im Fokus der Studie der Forschenden um Melissa Cobo von der Utah State University in Logan stand nun ein weiterer Aspekt, der mit der zunehmenden Austrocknung von Salzseen verbunden sein könnte: Bisher war unklar, in welchem Ausmaß Treibhausgase aus den salzigen Bodenflächen aufsteigen. Dieser Frage ist das Team nun durch Untersuchungen verlandeter Bereiche des Great Salt Lake im US-Bundesstaat Utah nachgegangen. Dieser einst 120 Kilometer lange und teilweise bis zu 80 Kilometer breite See wird durch Wasser aus den umliegenden Bergen gespeist. Doch die zivile und landwirtschaftliche Übernutzung dieser Zuflüsse durch die Metropolregion von Salt Lake City hat in den letzten Jahrzehnten zu einem starken Schrumpfen des Sees geführt. Außerdem hat erhöhte Trockenheit in der Region die Lage verschärft, die mit dem Klimawandel verbunden sein könnte.
Um nun die Treibhausgas-Freisetzung des Great Salt Lake zu bestimmen, hat das Forschungsteam von April bis November 2020 die Kohlendioxid- und Methanemissionen an verschiedenen Orten des freiliegenden Sediments durch ein mobiles Analysegerät erfasst. Da Methan ein 28-mal stärkeres Treibhausgas als Kohlendioxid ist, haben die Forschenden die Bedeutung dieser Emissionen in der Form von sogenannten Kohlendioxid-Äquivalenten bei ihren Auswertungen berechnet. Wie das Team berichtet, ging aus ihren Auswertungen und Hochrechnungen zunächst hervor: Der freigelegte Seeboden gibt jährlich rund 4,1 Millionen Tonnen Treibhausgas in die Atmosphäre ab –94 Prozent davon in Form von Kohlendioxid. Sie stellten auch fest, dass die starken Emissionen dabei auch noch in den Bereichen auftreten, die schon seit mehr als zwei Jahrzehnten ausgetrocknet sind.
Sieben Prozent mehr Emissionen für Utah
Doch wäre nicht auch ein Großteil dieser Treibhausgase aus der Wasserfläche aufgestiegen? Um zu klären, inwieweit der See schon in der Vergangenheit eine Quelle von Treibhausgasen dargestellt hat, führten die Forschenden Messungen der Treibhausgasemissionen in den noch wasserbedeckten Bereichen durch und werteten Datensätze von Behörden aus. Die Ergebnisse verdeutlichten dann, dass der ursprüngliche See kaum eine Quelle von Treibhausgasen für die Atmosphäre war, sondern erst jetzt nach den weiträumigen Austrocknungen einen neuen Beitrag zur Erderwärmung leistet.





