CO2-Speicherung allein reicht nicht
Mit diesen Fragen haben sich nun zwei verschiedene Forschergruppen befasst. Thomas Gasser vom französischen Institut Pierre-Simon Laplace (IPSL) und seine Kollegen haben untersucht, ob und wie viel Geo-Engineering nötig wäre, um das Zwei-Grad-Ziel trotz weiter steigender CO2-Emissionen zu halten. Dafür ermittelten sie, wie stark die CO2-Emissionen für das IPCC-Szenario RCP2.6 insgesamt gedrosselt werden müssten und wie viel von dieser Senkung durch sogenannte “negative Emissionen” erreicht werden können. Gemeint sind dabei geotechnische Maßnahmen wie das Abscheiden und Speichern von CO2 direkt beim Ausstoß, das Herausfiltern von CO2 aus der Atmosphäre oder aber eine Optimierung natürlicher CO2-Senken. Dabei räumen die Forscher aber selbst ein: “Wir diskutieren hier Technologien, die zurzeit noch nicht in großem Maßstab existieren.”
Ihre Schlussfolgerung: Selbst bei funktionierendem Klimaschutz wird es nicht ohne Climate-Engineering gehen. Im besten Fall müssten pro Jahr 0,5 bis 3 Gigatonnen Kohlenstoff aus den Abgasen oder der Atmosphäre entfernt werden. Dafür bräuchte man bis zum Ende dieses Jahrhunderts allerdings Speichermöglichkeiten für 25 bis 100 Gigatonnen Kohlenstoff in Form von CO2, wie die Forscher berichten. Im schlimmsten Fall – ohne nennenswerten Klimaschutz – müsste man sogar 7 bis 11 Gigatonnen Kohlenstoff entfernen und bräuchte bis zu 1.600 Gigatonnen Speicherkapazität bis 2100. Das jedoch ist absolut nicht machbar: “In allen außer den optimistischsten Szenarien finden wir Anforderungen an das Geo-Engineering, die nicht erreichbar sind”, so Gasser und seine Kollegen. Ihre Ansicht nach zeigt dies sehr klar, dass es ohne den konventionellen Klimaschutz nicht geht – aber ohne ein gewisses Maß an Geo-Engineering wohl auch nicht.
Ozeane: Jahrhunderte Verzögerung
In der zweiten Studie haben Sabine Mathesius vom PIK und ihre Kollegen untersucht, wie die Ozeane auf ein nachträgliches Entfernen von CO2 aus der Atmosphäre durch Geo-Engineering reagieren. Ozeane gelten als bedeutende Puffer im Klimasystem, sie schlucken schon jetzt etwa ein Viertel der anthropogenen CO2-Emissionen. Andererseits aber sind die Meere ein sehr träges System, vor allem die tiefen Wasserschichten reagieren teilweise nur mit großer Verzögerung auf Veränderungen an der Oberfläche. Die Forscher simulierten Szenarien, in denen die CO2-Gehalte der Atmosphäre zunächst ungebremst ansteigen, dann aber ab 2050, 2150 oder 2250 durch Geo-Engineering-Maßnahmen wieder stark reduziert werden. Dabei nutzten sie zwei verschiedene Raten der CO2-Extraktion aus der Atmosphäre: eine vielleicht zukünftig noch halbwegs technisch machbare Rate von fünf Gigatonnen Kohlenstoff in Form von CO2 pro Jahr und eine unrealistisch hohe von 25 Gigatonnen Kohlenstoff pro Jahr.





