Amerikanische Forscher haben im Innenohr von Meerschweinchen mit Hilfe einer Gentherapie zusätzliche Haarzellen wachsen lassen. Dies sei der erste Schritt hin zu einer Therapie von Taubheit, die durch den Verlust von Haarzellen verursacht wird, schreiben die Wissenschaftler im ?Journal of Neuroscience? (Ausgabe vom 1. Juni). Die Zellen, die durch Infektionen oder lauten Krach verloren gehen können, wandeln im Innenohr Schallwellen in Nervenimpulse um.
Auf die Idee der Gentherapie sind Mediziner gekommen, als Ende der achtziger Jahre beobachtet wurde, dass erwachsene Vögel ihre Haarzellen regenerieren können. Bei ihnen ist im Innenohr noch ein Wachstumsgen aktiv, dessen Entsprechung bei erwachsenen Säugetieren und beim Menschen seine Arbeit weitgehend eingestellt hat.
Fast ein Jahrzehnt haben Forscher der Universität Michigan in Ann Arbor an der Entwicklung einer Methode gearbeitet, mit der das ?Math1? genannte Gen zuverlässig in das Innenohr von Versuchstieren eingebracht werden kann. Die Methode, die entschärfte Viren als Genfähren nutzt, könnte auch beim Menschen funktionieren, erklären die Wissenschaftler um Yehoash Raphael.
Bei den mit den Genfähren behandelten Meerschweinchen entwickelten sich im Innenohr aus Bindegewebe neue Haarzellen ? genau so, wie man es bei Vögeln beobachtet hatte. Überdies verbanden sich Hörnerven des Gehirns mit den umgewandelten Zellen. In weiteren Versuchen soll nun geklärt werden, ob sich die veränderten Zellen auch am Hören beteiligen.
Die Versuche sind jedoch erst der Anfang auf dem langen Weg zu einer Therapie gegen Taubheit, betonen die Forscher. Das Innenohr sei jedoch wie geschaffen für eine Gentherapie, da es nach außen hin weitgehend abgeschlossen ist. Gene, die dort eingebracht werden, bleiben daher vor Ort und können in angrenzenden Körperteilen kein Unheil anrichten.
ddp/bdw – Andreas Wawrzinek





