Eine erste Möglichkeit, gentherapeutische Verfahren bei Augenerkrankungen anzuwenden, haben israelische und US-Forscher entwickelt. In der August-Ausgabe der Zeitschrift British Journal of Ophthalmology berichten sie über ein Verfahren, das frühgeborenen Kindern helfen soll, denen eine Erblindung droht.
Dabei handelt es sich um Kinder mit Frühgeborenen-Retinopathie (Rethinopathia praematurorum), die zu Sehstörungen und Erblindung führen kann. Bei den Frühgeborenen kommt es zwei bis zehn Wochen nach der Geburt als Folge eines Über- oder Unterangebots an Sauerstoff im Brutkasten zu Gefäßneubildungen in der Netzhaut sowie Blutungen, Eintrübungen des Glaskörpers und Gewebeverdichtungen. Schließlich kann sich auch die Netzhaut ablösen.
Die Forscher um Itay Chowers von der Hadassah-Universität in Israel wollen durch Einschleusung bestimmter genetischer Informationen die überschießende Gefäßneubildung unterdrücken. Das erste Problem dabei ist: Wie bekommt man die Information genau an den Ort des Geschehens? Als Fähre für das genetische Material werden üblicherweise Viren verwendet. Chowers und Kollegen haben vier verschiedene Viren bei 18 Tage alten Ratten getestet, bei denen künstlich die Frühgeborenen-Retinopathie ausgelöst worden war.
Am besten geeignet waren Adenoviren, um die genetischen Informationen direkt in den Glaskörper der kranken Augen zu transportieren, haben die Wissenschaftler herausgefunden. Angrenzendes Nervengewebe dagegen wurde geschont. Dies sei ein erster Schritt für die Gentherapie bei Augenerkrankungen, so die Wissenschaftler.
Dr. Thomas Meißner





