Die Feldversuche des Rothamsted Research Instituts im britischen Harpenden sind schon seit Jahren heiß umstritten: Bereits 2012 gab es heftige Proteste von Gentechnik-Gegnern gegen die Ansaat von genmanipuliertem Weizen auf einem kleinen Versuchsfeld in der Nähe des Instituts. Fortgesetzt wurden die Versuche allerdings trotzdem, wenn auch unter extremen Sicherheitsmaßnahmen. Diese
trieben die Kosten des Projekts um rund 2,5 Millionen Euro in die Höhe.
Pheromon statt Insektizide
Was aber war das Ziel des Versuchs? Die Forscher um Toby Bruce wollten eine Weizensorte erschaffen, die sich quasi selbst gegen Blattläuse schützt. Dafür schleusten sie in das Erbgut der Pflanzen ein Gen ein, das die Produktion des Pheromons Beta-Farnesen steuert. Diese Substanz wird normalerweise von Blattläusen ausgestoßen, wenn sie angegriffen werden, um ihre Artgenossen zu warnen. Wenn nun der Weizen diesen Stoff freisetzt, so die Überlegung der Forscher, dann könnte dies Blattläuse fernhalten, ohne dass man Spritzmittel gegen sie einsetzen muss.
“Wir hatten gehofft, dass diese Technik einen Weg eröffnet, um den Insektizid-Einsatz beim Weizenanbau zu reduzieren”, erklärt Huw Jones von Rothamsted Research. Im Laborversuch sah das Ganze auch noch vielversprechend aus: Die Weizenpflanzen gediehen normal und drei Blattlausarten ließen sich von den freigesetzten Pheromonen abschrecken, wie die Forscher berichten.
Kein Effekt im Feldversuch
Doch im Freiland ging dies leider schief. Der Weizen produzierte zwar das Pheromon, es gab aber keinerlei Hinweise darauf, dass sich Blattläuse davon abschrecken ließen. Auf den Flächen mit dem genmanipulierten Weizen fanden sich genauso viele Blattläuse wie auf den Kontrollflächen mit normalem Weizen und auch Parasiten und Prädatoren waren nicht häufiger – wie eigentlich erhofft. “Wie so oft zeigt dieses Experiment, dass die reale Umwelt sehr viel komplizierter ist als das Labor”, räumt Jones ein.
Er und seine Kollegen sehen den Feldversuch allerdings trotzdem nicht als komplett gescheitert an, wie sie betonen. “Der Versuch hat zwar mehr Fragen als Antworten geliefert, aber das bedeutet nur, dass wir mehr daran arbeiten müssen, die Interaktion von Insekten und Pflanzen zu verstehen”, sagt Bruce. Die Forscher planen bereits, den Weizen so zu manipulieren, dass er das Pheromon nicht langsam und kontinuierlich freisetzt, sondern schubweise und nur dann, wenn viele Blattläuse im Feld sind. Dies entspricht mehr dem normalen Ausstoß dieses Alarmstoffs durch die Blattläuse und könnte daher effektiver wirken.





