Es war ein Schlag für die Hoechst-Tochter. AgrEvo. Und eine Ohrfeige für das Berliner Robert-Koch-Institut: Im März 1996 berichteten dänische Biologen des Risö-Nationallabors in Roskilde über ihre Versuche mit Raps, der gegen das Totalherbizid “Basta” gentechnisch resistent gemacht worden war.
Die Dänen hatten nachgewiesen, daß die Resistenz sich problemlos auf eine verwandte Pflanze – die als Unkraut geltende Rübse – übertragen ließ. Damit waren zwei lange bestrittene Argumente der Gentechnik-Kritiker bestätigt worden: Argumente der Kritiker bestätigten sich – Die Verbreitung gentechnischer Veränderungen von Pflanzen läßt sich in der Natur nicht kontrollieren. – Der Versuch, eine Nutzpflanze gegen ein Unkrautvernichtungsmittel immun zu machen, führt dazu, daß auch verwandte Unkräuter resistent werden und diese Resistenz weiterverbreiten.
Ein Totalherbizid ist ein Mittel, das alle Pflanzen umbringt – es sei denn, sie werden durch einen gentechnischen Kniff gegen die Wirkung immun gemacht. Gegen “Basta” (Handelsname für die Verbindung Glufosinat) schleust man in das Erbgut von Mais, Rüben und Raps eine Kombination von schützenden Bakterien- und Pilzgenen ein. Wenn der Bauer jetzt Basta sprüht, gehen alle Pflanzen ein – mit Ausnahme der gentechnisch veränderten.
Die Hersteller von Basta werben vor allem mit dem Umwelt-Argument: Auf diese Weise bräuchte nur sehr gezielt und sparsam gespritzt zu werden. Ihre wirtschaftliche Absicht ist, dem Landmann einen Doppelpack zu verkaufen: Will er Basta verwenden, muß er die widerstandsfähigen Pflanzensamen von der gleichen Firma dazunehmen.
Die dänische Studie hat weitreichende Folgen. Zwar hat sie zunächst nur nachgewiesen, daß die Herbizid- Resistenz auf andere Pflanzen übertragen werden kann – die Immunitätsgene werden durch Pollenflug, Insekten und Bakterien weiterverbreitet. Nach ein paar Einsätzen würde das teure Spritzmittel wirkungslos.
Schwerwiegender sind indes die ökologischen Folgen. Darin besteht die Ohrfeige für das Robert-Koch-Institut: Das RKI hat als Genehmigungsbehörde den Einsatz von Basta als “gefahrlos für die Umwelt” eingestuft. Aber wenn sich die Gene für Basta-Resistenz auf andere Pflanzen übertragen lassen, so gilt das auch für Gene, die Nutzpflanzen künstlich widerstandsfähig machen sollen – gegen Dürre, Frost oder Schädlinge. Diese Eigenschaften verwandeln bislang noch kontrollierbare Wildpflanzen im schlimmsten Falle in kaum mehr auszurottende Superunkräuter.
Auf der Strecke blieben diejenigen Arten, die die Immunitätsgene nicht in ihr Erbgut einbauen. Mit ihnen wäre das ganze ökologische Netz aus Insekten und Vögeln bedroht, die von diesen Pflanzen leben. Die AgrEvo geriet in die Defensive. So meinte ihr Sprecher, Dr. Gerhardt Waitz, man müsse “vielleicht die geplante Zeitachse der Anwendung verkürzen” – weil Basta zu schnell wirkungslos werden könnte.
Mehr noch: In der “Frankfurter Rundschau” empfahl Waitz den Landwirten ein “umfassendes Unkrautmanagement” mit mechanischen und konventionellen Methoden. Im Klartext: Trotz Basta bliebe ihnen über kurz oder lang das Jäten oder Abflammen von Unkraut auf ihren Feldern nicht erspart. Ob sich mit solchen Argumenten die Bauern für dumm verkaufen lassen? Auch das bdw-Highlight 11/96 “Auf dem Prüfstand: Die sechs Versprechen der Gentechnik” befaßt sich mit diesem Thema.
Jürgen Nakott





