Schmerzhaftes Bohren beim Zahnarzt wird möglicherweise in absehbarer Zeit der Vergangenheit angehören: Mit einem gentechnisch veränderten Bakterium lassen sich Karieserkrankungen der Zähne verhindern. Der Grund: Das transgene Wunderwesen produziert keine Milchsäure, die den Zahnschmelz auflöst. Es muss nur ein einziges Mal in die Mundhöhle eingebracht werden, wo es in relativ kurzer Zeit zahnschädliche Bakterien verdrängt. Das berichtet der britische Nachrichtendienst BBC.
Getestet wurde das Bakterium bisher allerdings nur im Tierversuch. Bei Ratten erwies es sich als durchschlagender Erfolg. Selbst wenn die Tiere eine extrem zuckerhaltige Nahrung vorgesetzt bekamen, bildete sich keine Zahnkaries. Im Gegenteil: Die nützlichen Mikroorganismen wurden durch Zucker sogar gefördert.
Die gentechnische Veränderung am Bakterium Streptococcus mutans hat Jeffrey Hillman, Professor an der Universität von Florida, vorgenommen. Er hat bereits 25 Jahre an diesem Projekt gearbeitet und glaubt, dass seine “Erfindung” vollkommen sicher für den Einsatz beim Menschen ist. Erste klinische Versuche werden voraussichtlich Ende des Jahres in Großbritannien und den USA beginnen.
Die Gentech-Behandlung ist nicht nur effektiv. Sie ist darüber hinaus einfach und kostengünstig: Eine einmalige fünfminütige Mundwäsche mit dem Bakterium ist ausreichend. Die Prozedur kostet lediglich etwa 100 britische Pfund (160 Euro). Dieser Betrag ist gering, wenn man ihn mit den Aufwendungen für mehrmalige Kariesentfernungen und den Folgekosten der Zahnfäule vergleicht.
Zahnbürsten werden aber auch nach der Eliminierung der schädlichen Mundhöhlenbakterien nicht überflüssig werden. Denn eine gute Mundhygiene erfordert, dass man durch Zähneputzen Plaquebildung auf der Zahnoberfläche verhindert.
Die Karies ist in Industrieländern eine Volkskrankheit. Etwa 95 Prozent aller siebenjährigen Kinder leiden schon darunter. Verantwortlich für die Zahnschmelzdefekte sind in erster Linie die Mundhöhlenbewohner Streptococcus mutans und Streptococcus sanguis. Deren Produktion von Milchsäure demineralisiert den Zahnschmelz und führt zu den “Löchern” in den Zähnen.
Dr. Sebastian Messerschmid





