Nach der Veröffentlichung der menschlichen Genkarten hat der Leiter des Human-Genom-Projektes, Francis Collins, vor überzogenen Erwartungen gewarnt. Die Medizin dürfe sich keine schnellen Fortschritte versprechen. “Wir können nicht morgen Krebs heilen, nur weil wir heute den ersten Überblick über das Genom bekommen haben”, sagte Collins in einem Interview der “Süddeutschen Zeitung” (Dienstagsausgabe).
Auch sage das Wissen über die Gene nicht alles über den Menschen aus. “Selbst wenn wir die Sequenz verstehen, werden viele Aspekte des Menschseins übrig bleiben, die wir nicht verstehen”, sagte Collins. “Wir sind nicht nur mechanische Wesen: Deshalb sollten wir die Entdeckung auch nicht benutzen, um in eine mechanische Betrachtungsweise von uns selbst abzugleiten.”
Mit Blick auf Gentests forderte er Gesetze, um die Privatsphäre zu schützen. Er kritisierte zugleich, das manche der angebotenen Tests nicht ausreichend geprüft seien.
Collins verwies darauf, dass sowohl die Genkarte des Human-Genom-Projektes als auch die zeitgleich vorgestellte Genkarte des amerikanischen Unternehmens Celera Genomics nur erste Entwürfe seien. “Keiner ist perfekt, und die Lücken sollten wir nicht kleinreden.” Celera habe zwar Daten des Human-Genom-Projektes genutzt, um seine Genkarte zusammenzufügen. Dennoch habe es in den vergangenen Jahren kein Rennen um das Erbgut gegeben, denn jedes Team habe verschiedene Ziele gehabt.
dpa





