Wissenschaftler des Howard Hughes Medical Institute (HHMI) haben gentechnisch krebsanfällige Mäuse entwickelt, deren spontane Mutationen in einem krebsverursachenden Gen ebenso wie beim Menschen zu Lungenkrebs und anderen Krebsarten führen können. Die neue Technik soll ein breites Anwendungsfeld finden und als Modell zur Entstehung von Krebs dienen.
Wie das Team um Tyler Jacks in der Fachzeitschrift Nature beschrieb, fügten sie eine zusätzlichen Kopie des Onkogens K-ras ins Mausgenom ein. Allerdings war diese Kopie durch vorher eingefügte Änderungen in der Basenabfolge ein Auslöser von Krebs, wenn sie im Rahmen einer Zellteilung die funktionale Kopie ersetzte. “Unsere Strategie war es, ein genetisches Trojanisches Pferd zu entwickeln”, sagte Jacks.
Mutationen im K-ras Onkogen sind in menschlichen Tumoren weit verbreitet. Sie ereignen sich in 90 Prozent der Pankreastumoren, 50 Prozent der Fälle von Darmkrebs und noch immer 30 Prozent in nicht-kleinzelligen Lungentumoren. Deshalb ist die Untersuchung der stattfindenen Prozesse für die Erforschung der entsprechenden menschlichen Tumoren so entscheidend. Bisherige Mausmodelle waren daran gescheitert, dass die Tiere in allen Zellen die krebsauslösende Form des Gens besaßen und somit nicht überlebensfähig waren. Im neuen Modell treten die Fälle aber spontan, und daher nicht in allen Zellen, auf. Dies entspricht viel mehr der natürlichen Entstehung von Krebs.
Die Forscher können nun die Entwicklung der Tumoren besser untersuchen und ihre Ergebnisse auf die menschliche Entstehung übertragen. So wollen sie direkt an der Tumorentstehung beteiligte Gene und Prozesse aufdecken. Besonders vielversprechend ist das Potenzial des Modells, neue Behandlungen zu testen.
Dr. Dagmar Knopf





