Spanische Forscher haben herausgefunden, dass Panikattacken und andere Angststörungen eine genetische Grundlage haben. Dieser Durchbruch könnte es möglich machen, Medikamente gegen diese psychischen Störungen zu entwickeln, unter denen Schätzungen zufolge mehr als 10 Prozent der Bevölkerung leiden. Darüber berichtet das britische Wissenschaftsjournal New Scientist.
Xavier Estivill und sein Team am Zentrum für medizinische und molekulare Biologie in Barcelona untersuchten Familien, in denen Panikstörungen, Sozialangst oder Platzangst vorkamen. Die Forscher entdeckten, dass bei 90 Prozent der Betroffenen eine kleine Region auf dem Chromosom 15 verdoppelt war.
Um sicherzustellen, dass die Anomalie nicht nur in diesen Familien vorkam, analysierten die Wissenschaftler 70 angstgestörte Menschen, die nicht mit ihnen verwandt waren. Das Ergebnis: 97 Prozent von ihnen hatten die Verdoppelung, während sie nur bei 7 Prozent der restlichen Bevölkerung vorkommt.
“Die verdoppelte Region enthält mehr als 60 Gene”, erläutert Monica Gratacos, ein Mitglied des Teams. 23 davon seien bisher identifiziert. Darunter befänden sich Gene für Proteine, die die Kommunikation und Interaktion zwischen Neuronen kontrollieren. Wenn zuviel von einem oder mehreren dieser Proteine vorhanden sei, könnte dies das Gehirn übersensibel für stressreiche Situationen machen, glauben die Forscher. Dabei spielten jedoch auch Umwelteinflüsse eine wichtige Rolle.
Das Team versucht nun herauszufinden, welche der Gene in der besagten Region zu Angststörungen führen. Wenn das gelingt, könnte man in einem Zeitraum von fünf bis zehn Jahren Medikamente entwickeln, die entweder diese Gene oder ihre Protein-Produkte unterdrücken.
Frank Eckhardt





