Ein Abschnitt auf dem Chromosom 10 bestimmt die Anfälligkeit für eine Lepraerkrankung. Das haben Wissenschaftler des Wellcome Trust Centre in Oxford in Zusammenarbeit mit der indischen Madurai Kamaraj University und anderen Forschungsinstituten in Indien gefunden. Die Ergebnisse der genetischen Analyse wurden in der Zeitschrift “Nature Genetics” veröffentlicht.
Auf der Suche nach Genen, die mit einer hohen Lepraanfälligkeit gekoppelt sind, wurden 245 erkrankte Geschwisterpaare und deren Eltern in Südindien genetisch analysiert. Dabei zeigte sich, dass ein einzelner Abschnitt auf Chromosom 10 eng mit einer Lepraerkrankung korreliert war.
Wie bei jeder Infektionskrankheit wird auch bei Lepra die Erkrankungswahrscheinlichkeit in erster Linie von Erregerkontakt und Immunabwehr bestimmt. Es lagen aber bereits verschiedene Hinweise darauf vor, dass es auch genetische Faktoren geben muss, die das Erkrankungsrisiko beeinflussen. So häufen sich zum Beispiel Leprafälle unter Verwandten. Zwillingsstudien hatten eine genetische Komponente zwar bestätigt, die dafür verantwortlichen Gene blieben aber unbekannt. Das jetzt vorliegende Ergebnis erleichtert die weitere Suche nach einzelnen Genen, da das Ziel auf einen definierten Chromosomenabschnitt eingegrenzt werden konnte.
Lepra ist eine chronisch verlaufende Infektionskrankheit, die durch Mycobacterium leprae verursacht wird. Weltweit gibt es etwa 800.000 Leprafälle, die Hälfte davon in Indien. Die Krankheit ist im Frühstadium durch antibiotische Langzeitbehandlung heilbar. Kennt man die Ursache der genetischen Anfälligkeit, können neue Behandlungs- oder Vorsorgemaßnahmen entwickelt werden.
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Joachim Czichos





