Bislang wird im Leistungssport meist mit den klassischen Substanzen gedopt, darunter vor allem Steroiden, Wachstumshormonen und EPO. Nachträgliche Tests der Dopingproben von den Olympischen Spielen in Peking 2008 und in London 2012 enthüllten, dass im Durchschnitt acht Prozent der Athleten verbotenen Substanzen genutzt hatten – das ist achtmal mehr als bei vorhergehenden Sommerspielen. Einer der Gründe für diese Zunahme: Die Analysemethoden der Dopingfahnder werden immer besser. Während früher beispielsweise die Abbauprodukte von Anabolika nur wenige Wochen nach der letzten Einnahme nachweisbar waren, lassen sich heute dank verbesserter Massenspektrometer auch langlebige Metabolite dieser Substanzen noch Monate später im Urin der Sportler aufspüren – mit entsprechenden Folgen: Als das Antidopinglabor in Köln begann, erstmals auf diese langlebigen Abbauprodukte hin zu testen, stieg die Zahl der ertappten Dopingsünder um 400 Prozent. Im Gegensatz zu früher können Dopingfahnder inzwischen auch nachweisen, ob das Erythropoetin im Körper eines Sportlers menschlichen Ursprungs ist oder aber von Bakterien synthetisiert und dann gespritzt wurde. Für diesen Test werden bestimmte artspezifische Anhänge am EPO-Molekül überprüft.
EPO-Gen statt EPO
Doch die großen Fortschritte in der Gentechnik machen heute auch eine deutlich raffiniertere Dopingmethode möglich: das Gendoping. Dabei wird den Athleten nicht die verbotene Substanz gespritzt, beispielsweise EPO, sondern man schleust Gene in ihr Erbgut ein, die die Zellen dazu bringen, von selbst zusätzliches EPO zu produzieren. Was das bringen kann, demonstriert der Fall des in den 1960er und 70er Jahren erfolgreichen finnischen Skilangläufers Eerto Mäntyranta: Er trägt von Natur aus eine Mutation im Erythropoetin-Gen, durch die er besonders viele rote Blutkörperchen produziert. Sein Blut kann damit von Natur aus 25 bis 50 Prozent mehr Sauerstoff zu den Muskeln transportieren. Bisher bestand das Problem der Dopingfahnder darin, dass sie keine Möglichkeit hatten, solche natürlichen Veränderungen von künstlichen, per Gendoping erzielten zu unterschieden. Doch das hat sich nun geändert, wie die WADA kurz vor den Spielen bekanntgab. Forscher am National Measurement Institute in Sydney haben im Auftrag der WADA einen Test entwickelt, der eingeschleuste EPO-DNA erkennen kann.
Das Prinzip dahinter: Das im Erbgut von Natur aus vorhandene EPO-Gen enthält vier Introns – einleitende DNA-Sequenzen, die unter anderem markieren, wo dieses Gen abgelesen werden soll. Die EPO-Gene, die den Athleten beim Gendoping eingeschleust werden, enthalten diese Introns jedoch nicht. “Das Verfahren nutzt daher Tests, die gezielt nach intronlosen DNA-Sequenzen suchen, wie sie beim Doping präsent sind”, berichtet Anna Baoutina vom National Measurement Institute. “Wir haben auf dieser Basis bereits einen standardisierten Test für das EPO-Gendoping fertiggestellt, die Mitarbeiter entsprechend geschult und die Methode im Labor eingeführt.” Gleichzeitig arbeitet die WADA auch an Testmethoden, um Gendoping auch an anderen Genen zu erkennen, darunter der DNA für das Wachstumshormon oder den Wachstumsfaktor IGF-1, die beide das Muskelwachstum anregen.





