Erstmals kann eine synthetisch hergestellte Substanz gezielt Abschnitte des Erbmoleküls DNA abschalten. Mit einem weiterentwickelten Verfahren könnten Ärzte vielleicht einmal unerwünschte DNA “wegsperren”, berichten britische Chemiker der University of Warwick in der Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences.
Das Team um den Forscher Michael Hannon hat ein zylindrisches Molekül mit zwei Eisenatomen im Zentrum hergestellt. Diese Substanz dockt an die DNA an, indem es sich über fünf Basenpaare, den Bausteinen der DNA, hinweg erstreckt. Dadurch knäuelt sich das Erbmaterial an dieser Stelle zusammen, ähnlich der Struktur wie es in Chromosomen vorliegt. In einem solchen Knäuel kann die DNA nicht ihrer Funktion nachgehen, kann keine Eiweiße nach Bauplan produzieren. Sie ist so zu sagen eingesperrt.
Bisher war es nicht gelungen, einen Stoff herzustellen, der Abschnitte der DNA lahm legen kann. Zwar gibt es kleinere Moleküle, die sich an die DNA binden, doch ihre Größe, Struktur und Form genügt nicht, Genabschnitte an ihrer Arbeit zu hindern.
Der eisenhaltige Zylinder der britischen Wissenschaftler passt dagegen exakt in eine Lücke zwischen den Helices der DNA, die so genannte große Furche. Zusätzlich ist der Zylinder positiv geladen und bindet daher leicht an negativ geladene Stellen der DNA.
Im nächsten Schritt wollen die Forscher das Molekül so verändern, dass es gezielt bestimmte Gensequenzen abschalten kann. Auch soll es statt fünf Basenpaaren bis zu fünfzehn deaktivieren können. Gelingt dies, dann könnten Ärzte derartige Stoffe in Zukunft nutzen, um unerwünschte Eigenschaften im Erbmaterial zu blockieren.
Susanne Donner





