Wissenschaftler der Harvard Medical School haben ein Gen entdeckt, das höchstwahrscheinlich eine zentrale Rolle bei der Milzbrand-Infektion spielt. So sind gewisse Mäusestämme gegen das tödliche Toxin des Bakteriums namens Bacillus anthracis resistent. Das hochansteckende Bakterium, das auch als biologischer Kampfstoff eingesetzt werden kann, führt bei einer Infektion über die Atemwege häufig zum Tod. Ein Impfstoff ist derzeit nur in geringen Mengen vorhanden.
Das Gen macht Mäuse gegen den Giftstoff weniger empfindlich. Die Ursuche liegt laut dem Genetiker William Dietrich auf dem Chromosom elf, wo eine Variante des so genannten Kif1C-Gens die Mäuse schützt. Das in vier Varianten auftretende Gen scheint bei Makrophagen, weißen Blutkörperchen, die Schädlinge vernichten und einen Infektionsschutz darstellen, zu einer heftigen Reaktion zu führen. Das Kif1C-Gen produziert demnach ein Protein, das innerhalb der Makrophagen als Transportmolekül fungiert.
“Wahrscheinlich nutzen Milzbrand-Erreger die Proteine und vernichten so die Makrophagen”, erklärte Dietrich. Die Forscher spekulieren, dass bestimmte Varianten des Gens diesen “Diebstahl” verhindern. Der exakte Weg, wie das Gen das Bakterium bekämpft, ist den Genetikern noch unklar. Dennoch hoffen die Wissenschaftler durch die Erkenntnisse eine Basis für die Bekämpfung von Milzbrand-Infektionen gefunden zu haben. Im nächsten Schritt sucht das Team um Dietrich nach Variationen dieses Gens beim Menschen.
Milzbrand ist eine übertragbare Krankheit mit weltweiter Verbreitung. Der Krankheitserreger bildet außerordentlich resistente Sporen, die sich in der Umwelt jahrzehntelang halten. Das Übertragungsrisiko von Mensch zu Mensch ist gering. In den USA werden Soldaten aufgrund des Einsatzes von Milzbrand als biologische Waffe geimpft. Experimente des Militärs haben dazu geführt, dass die schottische Insel Guida mit dem Erreger heute noch so verseucht ist, dass auch nach über 50 Jahren das Betreten lebensgefährlich und daher strikt verboten ist. Hier wurden im Zweiten Weltkrieg von den Briten entsprechende Versuche mit dem Milzbranderreger vorgenommen.
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